
| 24.07.2007 |
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| DW-TV: Oder jetzt von Jürgen Pfister, Chefvolkswirt der Bayerischen Landesbank. Der Euro ist gerade vielen Deutschen immer noch nicht so lieb geworden, nicht so ans Herz gewachsen, wie die Mark. Woran liegt das ihrer Meinung nach? Jürgen Pfister: Die meisten Bürger in Deutschland haben den Euro seit Jahren akzeptiert, aber es entsteht eben nicht jene emotionale Bindung, die wir bei der D-Mark verspürt haben, und dort war sie begründet, dadurch, dass das die D-Mark das Symbol war des Wirtschaftswunders, des Wiederaufstieg Deutschlands nach dem Krieg. Das werden wir beim Euro nicht erleben, also ist eine nüchterne Währung. DW-TV: Die sich aber nach außen hin ganz gut schlägt, also an der äußeren Stärke kann es kaum liegen. Wir sehen hier den Wechselkurs zum Dollar seit Januar 2002, gerade im Juli jetzt gab es neue Höchststände beim Euro. Was steckt hinter dieser momentanen Stärke? Jürgen Pfister: Zum einen präsentiert sich die europäische Wirtschaft zur Zeit recht stark, wir haben einen kräftigen Aufschwung seit dem Jahr 2006 und dieser wird sich auch fortsetzen 2007, 2008 und die europäische Zentralbank erhöht alle viertel Jahr etwa die Zinsen um ein Viertelprozentpunkt und macht daher den Euro von der Zinsseite attraktiver. DW-TV: Das kann ja aber nicht so weitergehen! Jürgen Pfister: Nein, es wird nicht so weitergehen, aber wir werden immerhin doch die Zinsdifferenz zum Dollar, der bei 5 1/4 steht, und wir stehen bei 4,0 weiter verengen und damit die Attraktivität des Euros tendenziell stärken. DW-TV: Nach außen ist also viel Bewegung da, nur nach innen hin empfinden viele Länder in der Eurozone den Euro doch sehr als Korsett! Stichwort: Maastricht-Kriterien, die Deckelung der Neuverschuldung! Wie funktioniert der Euro nach innen hin? Jürgen Pfister: Also, er funktioniert ganz gut! Und dieses Korsett ist nicht so streng, denn wir haben über Jahre teilweise auch in Deutschland ein Verstoß gegen diese Kriterien gesehen. Ich glaube, dass das im besten Interesse der beteiligten Länder ist, wenn sie ihre Neuverschuldung zügeln, weil die künftige Generationen damit weniger belastet werden. DW-TV: Viele andere Staaten schieben aber die Einführung des Euro auf. Stichwort: Polen, Tschechien, auch Ungarn. Ist der Euroraum für diese Länder offenbar doch nicht so anziehend? Jürgen Pfister: Ich glaube, die Länder haben gelernt, dass die Mitgliedschaft im Euro auch Nachteile mit sich bringt. Sie haben nämlich keinen Spielraum mehr in der nationalen Währungs- oder Geldpolitik und diesen brauchen diese Länder in ihrem schwierigen Anpassungs- und Übergangsprozess. DW-TV: In einem ähnlichen Stadium befindet sich gerade Italien. Stichwort: eben Korsett zu wenig Spielraum! Es wird ja offen darüber spekuliert, das Italien aus dem Euroraum austritt. Was sagen sie dazu? Jürgen Pfister: Ich halte, dass für eine falsche Spekulation, denn der Euro ist in erster Linie ein politisches Instrument der Integration, und Italien als Gründungsmitglied der europäischen Union wird aus meiner Sicht niemals den Euroraum verlassen. Interview: Katrin Prüfig |
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