
| 24.04.2009 |
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Wie versprochen werden jetzt noch einmal die Sinne bedient. Hier (einfach auf das Wort klicken) gibt es für die Augen eine kleine Bildergeschichte unserer Expedition zum Nordpol. Für die Ohren steht unten die zehnminütige Deutsche Welle-Sendung "Hautnah" vom 25. April, meine Radio-Reportage zur Expedition. Viel Spaß beim Sehen und Hören.![]() Extrem-Reportage Polarmannsgarn Immer wieder wurde ich nach meiner Rückkehr aus dem Eis gefragt, wie wir eigentlich unsere täglichen Bedürfnisse bei der extremen Kälte erledigt hätten. Daher hier eine nachträgliche Aufklärung: Das Urinieren war kein Problem. Die Suche nach Klein-Stefan dauerte zuweilen ein wenig länger, weil er sich bei minus 30 Grad verständlicherweise zurückgezogen hatte. Ansonsten aber unterschied sich das Wasserlassen im Eis nicht von dem im Schnee. Es bildeten sich gelbe Löcher. Keine gelben Eistürmchen, das ist Polarmannsgarn. Nachts benutzten wir, um nicht in die Kälte hinaus zu müssen, Pinkelflaschen. Betonung auf kurz Das große Geschäft gestaltete sich weitaus schwieriger und wollte gut vorbereitet sein. Bereits im Zelt zog ich mir die Hosenträger herunter, dann wieder die Daunenjacke darüber. Nun musste alles sehr schnell gehen: In die Schuhe, aus dem Zelt, hinter den nächsten Eisblock, fallen lassen, kurz (!) abputzen, zurücksprinten, in den Schlafsack kriechen. "Dass ihr mir ja nicht versucht, euch so abzuwischen, wie ihr es von zu Hause gewohnt seid", hatte uns Expeditionsleiter Thomas eingeschärft und von einem Nordpol-Kandidaten erzählt, der seine übertriebene Reinlichkeit mit Erfrierungen an der Hand und dem vorzeitigen Rückflug bezahlt hatte. Wir waren also vorgewarnt - und froren uns weder Finger noch den Allerwertesten ab. Wenn es draußen allzu sehr stürmt, gibt es übrigens noch die von Thomas am Nordpol demonstrierte Alternative, das Vorzelt als Toilette zu nutzen. Details spare ich mir an dieser Stelle. Nur so viel: Ein Genuss für die Sinne sieht anders aus - zumindest für die übrigen Zeltbewohner. |
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| 17.04.2009 |
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![]() Via Oslo in die Heimat Und wieder schließt sich ein Kreis. Ich sitze am Frankfurter Flughafen und warte auf meinen Zug Richtung Köln. Ich freue mich riesig darauf, meine Lieben wieder in die Arme schließen zu können. Zurückkehren ist um so vieles leichter als Abschiednehmen. Aus den Augen, nicht aus dem Sinn Die Mitglieder unseres Nordpol-Teams gehen jetzt wieder getrennte Wege. Am Flughafen in Oslo sagten wir einander Adieu. Thomas wird das Wochenende noch in Norwegen verbringen. Arnold und Eugen flogen nach Zürich in die Schweiz, Frank und ich nach Frankfurt. Nicht notwendigerweise, aber doch wahrscheinlich werden wir uns mit der Zeit aus den Augen verlieren. Jeder führt wieder sein eigenes Leben. ![]() Adieu sagen (v.l.): Thomas, Frank, Arnold, Eugen und Stefan Doch ganz sicher werden wir immer wieder an diese Woche im arktischen Eis zurückdenken, an die Eiseskälte, an die weiße Wüste um uns herum, an den Augenblick, an dem wir bei starkem Wind den Nordpol erreichten, …. Und in diesen Erinnerungen werden wir wieder ein Team, das diese unvergesslichen Momente gemeinsam erlebt hat. Danke! ![]() Unsere Spuren sind längst verweht, die Erinnerungen nicht Ich bedanke mich bei allen, die dieses Abenteuer und auch diesen Blog möglich gemacht haben: bei unserem Expeditionsleiter Thomas, der uns professionell, und umsichtig ans Ziel geführt hat, bei Arnold, Frank und Eugen, die mich als Teammitglied unterstützten und mir als Journalist immer offen gegenüber standen, bei unseren Lieben daheim, die uns trotz ihrer Bedenken und Ängste fahren ließen – und nicht zuletzt bei den Lesern und Hörern dieses Blogs, die uns mit ihren Kommentaren motivierten, uns die Daumen drückten und trotz der Kälte, in der wir unterwegs waren, mitfieberten. P.S. Voraussichtlich Ende der kommenden Woche werde ich noch den Link zu einer Bildergalerie sowie ein zehnminütiges Radio-Feature über unsere Nordpol-Expedition in den Blog stellen. Also, bis dahin! |
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| 16.04.2009 |
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![]() Nach dem nächsten Sonnenuntergang über Spitzbergen fliegen wir heim Morgens gönnen wir uns regelmäßig ein Frühstück in einem guten Hotel. Wenn wir dann an unserem Tisch bei Rührei, Speck, Brötchen und Kaffee sitzen, ertappe ich mich dabei, dass ich mir die Gäste an den anderen Tischen genau ansehe. Haben sie Frostbeulen? Waren sie auch auf Expedition zum Nordpol, sind sie auf dem Weg dorthin? Oder gehören sie zur Kategorie der Sessel-Abenteurer, die sich per Hubschrauber zum Pol fliegen lassen, dort ein Glas Champagner trinken, sich mit einer Fahne ablichten lassen und zu Hause stolz erzählen, sie seien am Nordpol gewesen? Logistisch schwieriger als der Everest "Haben wir die Kindertour gemacht?" frage ich Thomas, als wir unsere Last-degree-Expedition noch einmal Revue passieren lassen. Schließlich dauert eine ´richtige´ Nordpol-Expedition von der Küste aus bis zum nördlichsten Punkt nicht nur eine Woche, sondern etwa 50 Tage. "Nein, keine Kindertour", antwortet Thomas, "aber wenn du vom Festland aus losmarschierst, reicht es nicht, einige Monate im voraus zu planen." Das sei ein größeres Unterfangen. "Einen Mount Everest kann man sicher schneller anpeilen als eine Nordpolexpedition. Nicht von der Leistung her, aber logistisch, weil es viel schwieriger ist, sich in der Arktis zu bewegen." Sieben Tage weiter machen Thomas ist "glücklich, dass wir alle am Nordpol waren, alles super funktionierte und alle zufrieden nach Spitzbergen zurückkamen." Die Verantwortung eines Expeditionsleiters werde häufig unterschätzt, sagt der 41-Jährige. Denn es ist eine Gleichung mit so vielen Unbekannten, wie die Expedition Teilnehmer hat. "Ich kann nicht wochenlang mit diesen Leuten Trainingscamps machen." ![]() Thomas - Riesen-Verantwortung im Eis Erst auf dem Eis stelle sich wirklich heraus, ob der Einzelne mit den Bedingungen zurechtkomme und ob das Team als Einheit funktioniere. Mit unserer Gruppe war Thomas zufrieden. "Nach sieben Tagen waren wir ein gutes Team und hätten am besten noch einmal sieben Tage weiter gemacht." Immer konzentriert bleiben Am meisten Kopfschmerzen hat unserem Expeditionsleiter die außergewöhnliche Kälte mit Temperaturen stets unter 30 Grad Celsius bereitet. "Ich hatte schon extremen Respekt davor, dass sich jemand eine Frostbeule zuzieht, die er zu spät bemerkt, oder sich einen Finger abfriert. Das war diesmal sicher das größte Risiko." Nach dem Erreichen des Nordpols sei bei allen die Anspannung abgefallen, "und damit auch ein wenig die Konzentration. Dabei waren wir immer noch im arktischen Ozean, Tausende Meter von Wasser unter uns. Es kann dort immer ein Sturm aufkommen und man sitzt eine Woche lang fest." Ab in den Süden ![]() Umso erleichterter ist Thomas, dass alle wohlbehalten nach Longyearbyen zurückgekehrt sind. Der Flur unseres Ferienhauses füllt sich allmählich mit Gepäck. In der kommenden Nacht (zeitlich gesehen, denn hier ist es ständig hell) fliegen wir ab in den Süden. Von Spitzbergen mit aktuell minus 20 Grad Celsius nach Deutschland und in die Schweiz mit voraussichtlich 20 Grad plus. Ein weiterer Klimaschock. Diesmal jedoch ein angenehmerer. |
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| 15.04.2009 |
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Vor drei Tagen stand Frank am Nordpol. Hat er seitdem schon einmal davon geträumt? "Nein, davon nicht!", sagt Frank und lacht. Wir sitzen im warmen Ferienhaus in Longyearbyen auf Spitzbergen und reden darüber, was wohl von dieser extremen Woche im Eis hängen bleiben wird. "Viele Erinnerungen", meint Frank. "Ich konnte das noch gar nicht verarbeiten. Ich denke, beim Anschauen der Fotos wird das alles noch einmal hochkommen." ![]() Karawane zum Nordpol Der 34-Jährige war schließlich zum ersten Mal in der Arktis. Als Frank den Pol erreichte, empfand er es als weniger spektakulär, als es Außenstehende vielleicht vermuten würden: "Ich hatte kein euphorisches Gefühl. Ich war endlich da, wo ich sein wollte. Wir hatten geschafft, worauf wir alle hingearbeitet hatten." Dann habe er wegen des eisigen Windes nur noch ans Zeltaufbauen gedacht. Der Natur ausgeliefert Auch Arnold war am Nordpol nicht in überschwänglichen Jubel ausgebrochen. "Eigentlich mag ich diese imaginären Ziele nicht so." Arnold würde zum Beispiel lieber vom Pol aus Richtung Festland marschieren. "Wenn du den Fuß an Land setzt, weißt du, jetzt bist du dort." Das Erreichen des Nordpols ist für ihn nicht mehr als "eine GPS-Lesung. Alles andere schaut irgendwie gleich aus." Eben wie eine Wüste aus Eis. "Außer dem Team ist dort niemand", zeigt sich Eugen auch Tage danach noch von der Einsamkeit beeindruckt. "Man fühlt sich richtig hilflos der Natur ausgeliefert. Man kann nicht in irgendein Hotel gehen, wenn es einem kalt ist. Es ist schon extrem." Konditionswunder Arnold wollte genau diese extremen Verhältnisse antesten. Denn nachdem er die "Seven Summits", die höchsten Gipfel aller Kontinente bestiegen hat, würde er schon gerne auch noch den Nord- und den Südpol von Land aus erreichen. "Konditionell hatte ich keine Probleme", sagt Arnold. Mit seiner Fitness hatte der 60-Jährige uns Jüngere immer wieder verblüfft und nicht selten alt aussehen lassen. "Schwierigkeiten hatte ich nur mit der Kälte", räumt Arnold ein, "dieses Problem ist auch nicht gelöst." ![]() Wärme, schmerzlich vermisst Die Entscheidung, ob er wirklich zu den Polen aufbrechen soll, schiebt Arnold noch ein wenig auf. "Wenn man jetzt wieder in der Wärme sitzt, erinnert man sich nur noch an die guten Dinge und beginnt zu vergessen, was unangenehm war." Damit er auch weiterhin kühlen Kopf behält, will Arnold in alten Expeditionsberichten nachlesen, wie extrem die Temperaturen, die wir erlebt haben, wirklich waren. Sacken lassen Während das Kapitel Eis für Arnold also noch nicht abgeschlossen sein muss, hat der 26 Jahre alte Eugen die Nase vom Nordpol erst einmal voll. "Ich habe mich über ein halbes Jahr darauf vorbereitet. Der Nordpol war eigentlich mein Hauptthema. Jetzt ist mir ein Stein vom Herzen gefallen und ich kann mich wieder auf andere Sachen konzentrieren." Auch Frank kann sich "nicht vorstellen, jetzt gleich noch einmal heraus zu müssen. Das muss erst einmal sacken." ![]() Vielfältige Formen, aber doch immer nur Eis Mir selbst geht es ähnlich. Noch erscheinen mir die sieben Tage im Eis fast wie ein Film, in dem ich mitspielen durfte. Doch meine Eindrücke, Gedanken, Emotionen und auch die körperlichen Anstrengungen waren keine Fiktion, sondern real und viel zu extrem, um direkt wieder zur Tagesordnung überzugehen. Ich werde sie wieder und wieder in der Erinnerung durchleben. Vielleicht macht gerade das den Suchtfaktor von Abenteuern aus. |
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| 14.04.2009 |
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In den letzten Tagen auf dem Eis witzelten wir häufig: "Eigentlich fehlt uns jetzt zu unserem Glück nur noch ein Eisbär!" Doch ganz ehrlich, wenn sich uns wirklich ein hungriges, ausgewachsenes Raubtier genähert hätte, wäre wahrscheinlich auch der letzte bei der Kälte verbliebene Rest an Farbe aus unseren Gesichtern gewichen und wir hätten uns vor Angst in die atmungsaktive Hose gemacht. Dieser Gedanke kam mir jedenfalls, als ich heute gemeinsam mit Frank das Svalbard Museum in Longyearbyen besuchte. Dort kann man einem Eisbär gegenüber treten, ohne Gefahr zu laufen, zum Frühstück verschlungen zu werden.![]() Putzig ist anders Gleich nach unserer Ankunft auf Spitzbergen hatten wir ein Informationsblatt der Behörden erhalten. "Nehmen Sie die Eisbärgefahr ernst!", stand dort in roten Lettern über einem Bild, das zwei Eisbären vor einem großen blutigen Kadaver zeigte. Die Botschaft dahinter lautete: Der Fleischklumpen könntest du sein. Dann gab es einige Tipps, wie man sich bei einem unfreiwilligen Rendezvous zu verhalten habe. Vor allem sollte man die richtigen Waffen mit sich herumtragen und auch damit umgehen können. Eisbären sind zwar seit 1973 vor der Jagd geschützt, doch zur Selbstverteidigung ist es erlaubt, sie zu töten. Eintritt für Pistolen und Gewehre verboten! 2000 bis 3000 Eisbären leben derzeit auf Spitzbergen. Kein Wunder also, dass die Einheimischen nicht ohne Waffen die Ortschaften verlassen. Offenbar müssen sie jedoch immer wieder daran erinnert werden, dass die Gefahr, in einem Hotel oder Supermarkt in Longyearbyen auf einen Eisbären zu treffen, relativ gering ist. Auch vor dem Gebäude, in dem die Post und die Bank untergebracht sind, wird auf Schildern daran erinnert, die Knarren gefälligst draußen zu lassen. ![]() Schilder für Schildbürger? Die Angestellten wollen wohl doch ganz gerne wissen, ob sie es mit einem Bankräuber oder einem vergesslichen Kunden zu tun haben, der gerade von einem Ausflug mit dem Motorschlitten heimkehrt. Hut ab vor den Pionieren Im Museum wird mir wieder schlagartig bewusst, wie einsam wir auf unserer Wanderung durch das Eis zum Nordpol waren. Die Walrosse, Robben und Seevögel, die mich hier ausgestopft mit glasigen Augen anblicken, treiben sich am Nordpol wohl nicht oder nur äußerst selten herum. Sie wissen wohl intuitiv, wie lebensfeindlich die Umgebung dort ist. ![]() Franks Blick in längst vergangene Zeiten Doch auch auf Spitzbergen war das Leben früher extrem hart. Das dokumentieren die im Museum ausgestellten Hütten samt Einrichtung, die im Vergleich zu heute klobig erscheinende Schutzkleidung gegen die Kälte oder auch die Lanzen, mit denen die Menschen früher auf Waljagd gingen. Dagegen sind wir Hobby-Abenteurer der Gegenwart geradezu Warmduscher - auch wenn wir eine Woche lang ohne heißes Wasser ausgekommen sind. Ich gestehe: Am besten hat mir im Svalbard-Museum die Ruhezone mit Robben-Fellen und Kissen gefallen. Frank und ich hatten Schwierigkeiten, uns von dort wieder zu erheben. Fast wären uns die Augen zugefallen. Wir befinden uns nämlich immer noch im Schwarzen Nordpol-Loch, das unsere Energie aufzusaugen scheint. Unsere Körper schreien nach Ruhe. Warmduscher eben. ![]() Auch Schreiberlinge dösen gerne |
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| 14.04.2009 |
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Versprochen ist versprochen. Ein Rätsel gilt es noch zu lösen. Die Fahne, die ich zum Nordpol mitgenommen habe, war natürlich die meines lebensbegleitenden Fußballvereins 1. FC Köln. Einige Kommentatoren des Blogs hatten das ja schon vermutet. Da mir mein Schlitten Poldi im Polareis wirklich sehr gute Dienste erwiesen hat (Hoffentlich spielt er in der nächsten Saison auch auf diesem Niveau in Köln Fußball!), war die Wahl auch gerechtfertigt. ![]() 1. FC Köln am Nordpol Der Nordpol scheint jedoch einen anderen Lieblingsclub zu haben. Am Tag unserer Ankunft kollabierten unsere Digitalkameras in Serie. Und auch am nächsten Morgen wehte ein eiskalter Wind. Doch ich hatte so oft davon geredet, wie wichtig dieses Foto für den Blog sei, dass sich Thomas erbarmte und mit blanken Fingern den Auslöser betätigte. Wieder streikte zunächst die Kamera. Eugen und ich hatten zudem Schwierigkeiten, die Fahne im Wind vernünftig zu halten. Erst im dritten Anlauf und nach mehreren deftigen Flüchen war das Bild "im Kasten". Ein Extremfoto. Kurzvisite auf Borneo Wir hatten von Victor Boyarsky, dem Leiter der russischen Eisstation Borneo und einem der besten Arktiskenner weltweit, per Satellitentelefon die Information erhalten, dass wir gegen 10.30 Uhr abgeholt würden. Doch schon eine halbe Stunde früher hörten wir das Dröhnen des Helikopters. ![]() Nach einer Woche wieder Motoren-Lärm In Windeseile packten wir unsere Schlitten und bauten die Zelte ab. Wenig später eilte uns Victor grinsend entgegen und gratulierte uns zu unserem Erfolg. Und schon entschwebten wir Richtung Borneo. Victor, ein Freund von Thomas, hatte es irgendwie organisieren können, dass wir innerhalb von zwei Stunden einen Anschlussflug nach Spitzbergen erhielten. Die Zeit reichte gerade aus, um die noch gefüllten Benzinflaschen für die Kocher zu leeren und eine heiße Tasse Kaffee zu trinken. ![]() Die russische Eisstation Borneo aus dem Helikopter In der Antonow-Düsenmaschine verabschiedete sich Victor von uns. Ich fragte ihn, was er davon halte, dass wir die 120 Kilometer in sieben Tagen geschafft hätten. "Eine gute Zeit", antwortete der Russe. "Ihr hattet sehr tiefe, wenig angenehme Temperaturen, dafür aber ganz gutes Eis, wenig Drift - und einen guten Expeditionsleiter." Unrasiert zum Pfeffersteak Nach Spitzbergen flogen viele Passagiere mit, die, wie wir, mit Skiern auf dem Eis unterwegs gewesen waren. Einige hatten Frostbeulen im Gesicht davongetragen. Fast alle wirkten müde. Das lag zum einen sicher daran, dass die freiwillig auf sich genommenen Strapazen nun hinter allen lagen, zum anderen aber auch an der heißen Luft in der Kabine. "28 Grad war es warm", meinte Eugen nach der Landung kopfschüttelnd. Der Geruch im Innern war streng, um es vorsichtig auszudrücken. Wenn sich 20 Männer eine Woche lang anstrengen und sich nicht waschen können, müffelt es eben. Auf Spitzbergen fuhren wir direkt in Thomas´ Lager. Unser Ferienhaus war noch abgeschlossen, der Vermieter hatte uns nicht so früh zurückerwartet. Wir packten unsere Schlitten aus, sortierten die übrig gebliebenen Lebensmittel, hängten die Zelte zum Trocknen auf. Da wir immer noch auf unseren Hausschlüssel warten mussten, beschlossen wir, unser Festmahl vorzuziehen. ![]() Die Nordpolisten: (v.r.) Eugen, Frank, Arnold, Stefan, Thomas Zum Glück heißt das Restaurant Basecamp und niemand wird schräg angeschaut, wenn er unrasiert, ungeduscht und in Expeditionskleidung dort auftaucht. Wir schlemmten genüsslich (mehrheitlich das von Frank erträumte Pfeffersteak) und tranken dazu ein Bier. Das Leben kann so süß sein. Inzwischen hatte Thomas auch den Vermieter ausfindig gemacht und wir bezogen wieder das kleine Haus, das in den nächsten zwei Stunden eigentlich nur aus einem Zimmer bestand: dem Bad mit einem vernünftigen WC und einer Dusche, die trotz ausgiebiger Nutzung auch beim Letzten immer noch heißes Wasser versprühte. Jetzt sehen alle wieder fast wie vor einer Woche aus, vielleicht ein wenig ausgezehrter, aber um unvergessliche Erlebnisse und Eindrücke reicher. Unten sind unsere letzten Meter zum Nordpol auch zu hören. P.S. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an mein "Hometeam", meinen Sohn Jan, der während unserer Zeit auf dem Eis meine Texte, Bilder und Audios in den Blog gestellt hat. |
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| 13.04.2009 |
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| Das Team ist gut in Spitzbergen gelandet. Zur Zeit sind die Teilnehmer noch mit dem Ausladen des Gepäcks beschäftigt. Bericht folgt später (evtl. erst morgen). | ||||||||
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| 12.04.2009 |
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![]() Fünf Männer am Nordpol - [v.r.] Thomas, Frank, Arnold, Eugen, Stefan (und Poldi) Um 13.08 MESZ rammt Thomas den Skistock in den Schnee. Das GPS-Gerät zeigt 89 Grad, 59 Minuten, 59,9 Sekunden. Wir stehen am Nordpol. Verdammter Wind Die ganze vergangene Nacht über hat der Wind an unserem Zelt gerüttelt, wir haben wegen der Eiseskälte kaum geschlafen. "Meinst du wirklich, wir sollten das Risiko von Erfrierungen auf uns nehmen?", fragt Eugen nach dem Wecken um sechs Uhr besorgt. "Können wir nicht warten, bis sich der Wind legt?" Thomas schüttelt den Kopf. "Das wird eher schlimmer als besser. Ihr müsst nur darauf achten, dass ihr draußen immer die dicken Handschuhe anbehaltet und dass die Neoprenmaske richtig sitzt." Um 9.30 Uhr sind Zelte und Gepäck verstaut. Wir brechen zur letzten Etappe auf. Gott sei Dank bläst der Wind, der immer stärker wird, in unseren Rücken. Drei Rinnen müssen wir überqueren. Man sieht, dass hier vor kurzem noch offenes Wasser war. Doch die Eisdecke ist dick genug, dass sie uns trägt. Wir kommen gut voran. ![]() Letzte Rinne - zugefroren Bloß keine Wasserrinne Wir machen die letzte Rast vor dem Pol. Kein Vergnügen bei diesem Wetter. "Dieser Scheißwind!", flucht Arnold. "Hoffentlich stoßen wir jetzt nicht noch auf eine Wasserrinne", sagt Frank. Das wäre so kurz vor dem Ziel wirklich bitter. Eugen ist inzwischen optimistischer. "Noch fünf Kilometer, dann werde ich jubeln." Der letzte Abschnitt stellt uns keine schweren Hindernisse mehr in den Weg. In immer kürzeren Abständen blickt Thomas auf sein GPS-Gerät. Die letzen 200 Meter laufen wir nicht mehr hinter-, sondern nebeneinander. Wir wollen als Team am Nordpol eintreffen. Rote Leuchtraketen Als wir dort ankommen, dauert es einen Augenblick, bis wir realisieren, dass wir unser Ziel erreicht haben. Wir jubeln, klatschen uns ab und gratulieren uns gegenseitig. Thomas schießt zwei rote Leuchtraketen in den Himmel über dem Nordpol. "Schön ist das hier", sagt der Expeditionsleiter. "Ein Glück, dass wir am Pol kein offenes Wasser haben." Wir versuchen noch, ein Gruppenfoto zu machen. Zwei von drei Kameras geben den Geist auf. Der Wind ist auch ihnen zu eisig. Als wir sicher sind, dass wir ein, zwei brauchbare Bilder haben, schlagen wir schnell unsere Zelte auf. Denn auch der schönste Augenblick der Expedition, das Erreichen des Ziels, ist es nicht wert, dass wir uns schwere Erfrierungen zuziehen. "Härteste Last degree-Expedition" ![]() Anstoßen auf das Erreichen des Pols Knapp 120 Kilometer liegen hinter uns, sieben extreme Tage auf dem Eis. "Das war die härteste Last degree-Expedition, die ich bisher geleitet habe", resümiert Thomas im Zelt. Wir stoßen mit Kaffee, Tee und heißer Schokolade auf den Erfolg an. Ich ziehe zur Feier des Tages ein Paar frische Strümpfe an. Die richtige Nordpolfeier holen wir auf Spitzbergen nach, in einem gemütlichen, warmen, windstillen Restaurant. Jetzt warten wir auf den russischen Helikopter, der uns voraussichtlich morgen zur Eisstation Borneo zurückfliegen wird. P.S. Das Rätsel mit der Fahne kann ich heute noch nicht auflösen. Ich hoffe, dass ich morgen bei hoffentlich weniger Wind das erhellende Foto machen kann. Also bitte Geduld! |
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| 12.04.2009 |
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| 13:08 Uhr Das Team erreicht den Nordpol. Alle sind wohlauf und freuen sich wie satte Eisbären. Bericht folgt später. |
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| 11.04.2009 |
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![]() Polwärts Ich kann den Nordpol fast schon riechen. Das liegt nicht an meiner dicken leistungsfähigen Nase, sondern an meinem Zeltnachbarn Eugen, der eben seine Füße gelüftet hat. Unsere riechen übrigens auch nicht besser. Schließlich stecken sie tagsüber in Plastiktüten, die als Dampfsperre dienen. Doch würde der Nordpol einen angenehmeren Duft verströmen, könnten wir ihn vielleicht hier schon wahrnehmen, denn wir sind nur noch zwölf Kilometer vom magischen Punkt entfernt, dem Ziel unserer Reise durchs Eis. Polarexpress rollt ![]() Schlittenzug 20 Kilometer haben wir heute hinter uns gebracht, so viel wie an keinem Tag zuvor. Der Polarexpress mit Thomas als Lokomotive und vier Waggons rollte. Die Bedingungen für eine Expressfahrt waren zunächst auch ideal: flaches Eis, kaum Presseisrücken als Hindernisse, keine Wasserrinnen, minus 34 Grad Celsius und - sehr wichtig - kein Wind. Doch gegen Ende des Tages frischte er auf und das ausgerechnet, als wir wieder, wie am Vortag, vor einer Rinne standen, diesmal ca. 30 Meter breit, unpassierbar. Thomas suchte nach einer Möglichkeit, die Rinne gefahrlos zu überqueren. ![]() Eugen isst durch die Nase Erste Hilfe Währenddessen versuchten wir, uns mit Armkreisen und anderen gymnastischen Übungen warm zu halten. Doch es wollte nicht gelingen. Der Wind drang durch. Als Thomas zurückkehrte und wir ihm zu einer schmalen Stelle der Rinne folgten, merkte ich plötzlich, dass sich an meinem Kinn Eis bildete und ich dort kein Gefühl mehr verspürte. Die Neoprenmaske war verrutscht. Ich bat Frank nachzusehen. Er blickte mich entsetzt an. "Dein Kinn ist ja schneeweiß, das erfriert dir!" Schnell zog er einen Handschuh aus und presste seine warme Hand auf mein Kinn. Frank begann, die betroffene Stelle warm zu reiben. Dabei hielt ich meine Wollhandschuhe über seine Finger, damit ihnen nicht das Gleiche widerfuhr wie meinem Kinn. Die Farbe kehrte zurück, das Kinn wurde wieder richtig durchblutet. Erste Hilfe in Nordpolnähe. Danke, Frank! Nächste Nacht am Pol? Nachdem wir die Rinne unfallfrei passiert hatten, schlugen wir vor Kälte schlotternd die Zelte auf. Wir sind wild entschlossen, die nächste Nacht am Ostersonntag auf 90 Grad Nord zu verbringen. Wenn uns nichts Unvorhersehbares stoppt. P.S. Vielleicht hat sich der eine oder andere bei dem Foto der Halb-Nordpolisten vor zwei Tagen gefragt, wer sich hinter den Neoprenmasken verbirgt. Hier die Lösung des Rätsels: [v.r.] Eugen, Arnold, Frank, Stefan P.P.S. Um unsere genaue Position zu verfolgen, einfach auf die Karte rechts oben klicken. |
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| 10.04.2009 |
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| Alles spricht für einen Routinetag. Ich habe mich schon gedanklich darauf eingestellt, etwas über den Expeditionsalltag zu schreiben. Gut, die Temperatur ist auf minus 37 Grad gefallen, Kälterekord während unserer Expedition. Doch was machen schon ein paar Grad mehr oder weniger in diesem Tiefkühl-Bereich? Eine Steigerung für saukalt gibt es nicht. Wir spulen also Kilometer um Kilometer ab. Ich habe das Gefühl, dass ich inzwischen meinen Laufrhythmus gefunden habe. Allein der Kräfteverschleiß macht sich bemerkbar. Poldi muss sich einige Flüche anhören. Ab ins Wasser ![]() Strandbad mit Nordpolnähe Plötzlich stehen wir vor einer großen dampfenden Wasserrinne. Thomas klettert auf einige grössere Eisblöcke, um nach einer Möglichkeit zu suchen, das offene Wasser zu umgehen. Keine Chance. Der Plan unseres Expeditionsleiters sieht so aus: Wir befestigen an seinem Schlitten, der im Vergleich zu unseren länger und an den Seiten höher ist, vorne und hinten Seile. Dann schwimmt Thomas in einem Polarmeer-tauglichen Ganzkörperanzug aus Plastik ans andere Eisufer. Er entleert den Schlitten, damit wir ihn wie eine Fähre nutzen können. Die Passagiere sollen sich flach mit dem Gesicht nach oben hineinlegen. Das Schlittenboot muss dann hin- und hergezogen werden. Auch unsere Schlitten sollen in ihrem großen Bruder liegend das andere Ufer erreichen. Verdammte Knoten ![]() Bademode der Arktis Thomas schlüpft in den Spezialanzug und sieht nun aus wie aus einem Science Fiction-Film entsprungen. Wir gehen zur schmalsten Stelle der Rinne, etwa zehn Meter breit. Da die Seile zu kurz sind, verlängern wir sie mit einer Schnur, die mich an eine Drachenschnur erinnert. Und dann geschieht genau das, was sicher jedem widerfährt, der häufiger Drachen steigen lässt. Genau in dem Augenblick, in dem Thomas ins Wasser gestiegen ist, verheddert sich die Schnur. Zu dritt versuchen wir, das Knäuel zu entwirren. Dazu müssen wir die Handschuhe ausziehen. Immerhin gelingt es uns, so viel Schnur zu retten, dass Thomas mitsamt Schlitten das andere Ufer erreichen kann. ![]() Bad im Polarmeer Rennen gegen die Zeit Als erster Passagier steigt Eugen ein, legt sich auf den Rücken, mit angeschnallten Skiern. Der Schlitten neigt sich bedenklich zur Kopfseite, bleibt jedoch über Wasser. Als nächster bin ich an der Reihe. Thomas mahnt zur Eile, da sich die Rinne weiter öffnet. Die Überfahrt ist sehr angenehm. Ich liege auf dem Rücken, blicke in den strahlend blauen Himmel und könnte fast vergessen, wo ich mich befinde. Bis es unter dem Boden schrappt und ich schnell hinausklettern muss. Die Rinne verbreitert sich zunehmend. Während Thomas auf der einen und Frank auf der anderen Seite den Schlitten hin- und zurückziehen, suchen die anderen fieberhaft nach Möglichkeiten, das Seil zu verlängern. Ich löse die Zeltschnüre, mit bloßen Fingern, da es mit Handschuhen unmöglich wäre. Eine lustige Seefahrt Inzwischen haben alle Schlitten und auch Arnold übergesetzt. Jetzt fehlt nur noch Frank. Doch ausgerechnet jetzt gehen uns die Schnüre aus. "Bringt Skistöcke!", ruft Arnold. Gemeinsam mit Thomas knotet er sie an das gestückelte Seil. Es ist gerade lang genug, dass Frank den Schlitten zu sich ziehen und einsteigen kann. Auf der Überfahrt singt er: "Eine Seefahrt, die ist lustig..." Als auch er sicher gelandet ist, löst sich die Spannung in Jubelgeschrei. Das war knapp. Die Distanz zwischen beiden Ufern hat sich mittlerweile fast verdoppelt. Gut, dass ich vor der Expedition eine Kerze im Kölner Dom entzündet habe. Eiskalte Finger Nach der Adrenalin treibenden Aktion versuchen wir alle, unseren eiskalten Fingern wieder Leben einzuhauchen. Kurz darauf machen wir uns erneut auf den Weg. Nach neun Stunden, in denen wir 15 Kilometer zurückgelegt haben, schlagen wir die Zelte auf. Bis zum Nordpol fehlen uns noch 32 Kilometer. Der heutige Zwischenfall wird uns sicher immer in Erinnerung bleiben. "Beim nächsten Mal packe ich längere Seile ein", sagt Thomas und grinst. P.S. Um unsere genaue Position zu verfolgen, einfach auf die Karte rechts oben klicken. |
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| 09.04.2009 |
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![]() Halb-Nordpolisten Zweite Tagesrast. Plötzlich wurde Thomas ganz ernst: "Ich habe euch etwas Offizielles mitzuteilen. Wir haben mehr als die Hälfte der Strecke zum Nordpol geschafft. Und das in nur vier Tagen. Reife Leistung bei der Kälte." "Nicht bei, sondern wegen der Kälte", korrigierte Arnold. Und Frank fügte hinzu: "Ich laufe nur so schnell, weil ich auf Spitzbergen ein Pfeffersteak essen will." Eugen freute sich still. Er hatte seinen Spruch des Tages schon am Morgen geliefert. "Ein Triathlon ist doch gar nichts gegen das, was wir hier machen. Wir sind nicht die Ironmen, wir sind die Diamondmen." Mit anderen Worten die ganz Harten. Poldi bockt ![]() Schwierige Passage Da ahnte Eugen wohl schon, was auf uns zukommen würde. Wir mussten so viele Presseis-Rücken, willkürlich aufgeschichtete Eisblöcke, überwinden, wie an keinem der ersten Tage. Mehrfach bockte mein Schlitten Poldi. Ob er schon für die Geissböcke trainierte? Er verkantete sich so im Eis, dass ich ihn ohne Hilfe nicht freibekam. Als Zugesel sah ich in diesem Augenblick sicher ziemlich dämlich aus. Meist eilte dann Thomas zu Hilfe. Pfadfinder Thomas ![]() Suche nach dem besten Weg Ohne ihn wären wir hier verloren. Er sucht den am besten begehbaren Weg durch das Eislabyrinth. Immer nach Norden. Dabei benutzt er nur von Zeit zu Zeit das GPS-Gerät, um die Position zu überprüfen. Ansonsten navigiert er nach der Sonne. Die bewegt sich in der Stunde auf einem gedachten Kompass um 15 Grad. Um 0 Uhr steht sie genau im Norden. Man muss nur die genaue Ortszeit des Längengrads kennen und schon kann man leicht die eigene Gehrichtung überprüfen. Thomas hat uns auch erklärt, dass man auf dunkle Streifen am arktischen Himmel achten sollte. Dabei handelt es sich um Lichtreflektionen offenen Wassers. Und das sollte man nach Möglichkeit meiden. Leicht wie eine Feder Wir mussten heute auch wieder eine heikle Stelle überwinden. "Trampolineis" nannte Thomas den wackligen Untergrund. Bevor ich hinüberfuhr, gab er mir noch mit auf den Weg: "Wenn du zu hart belastest, liegst du drin." Daraufhin glitt ich leicht wie eine Feder über das dünne Eis. Nordpol als Ostergeschenk? Nach achteinhalb Stunden bei minus 30 Grad Celsius krochen wir erschöpft in die Schlafsäcke. Thomas hatte uns ganz schön gefordert. "Hart an der Grenze des Erträglichen", urteilte Eugen. 17,9 Kilometer sind wir dem Nordpol näher gekommen. Noch fehlen 47,3 Kilometer. Sollte das Wetter stabil bleiben und wir das Tempo durchhalten, könnten wir den Pol bereits am Sonntag erreichen. Das wäre doch ein feines Ostergeschenk. P.S. Um unsere genaue Position zu verfolgen, einfach auf die Karte rechts oben klicken. |
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| 08.04.2009 |
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![]() Schön, aber kalt Schon auf den ersten Metern spürte ich: Das wird nicht mein Tag. Alpine Skifahrer kennen den ominösen dritten Tag. Die Euphorie der ersten beiden Tage ist plötzlich verflogen. Man schlüpft in die Skier und sie gehorchen nicht mehr. Ständig setzt man sich auf den Hosenboden. Genau so erging es mir. Dazu hatte ich noch ein flaues Gefühl in den Beinen. Mein Schlitten Poldi schien plötzlich mit Blei beladen. Erst nach der ersten Rast ging es etwas besser. Bei einem Skiurlaub kann man sich in die Hütte setzen, hier musst du dich durchbeißen. Wie eine Dampflok Es war der Tag der Premieren. Erstmals hörten wir das Eis arbeiten. Es klang wie das Schnauben einer altersschwachen Dampflokomotive. Wir konnten auch sehen, wie sich eine dünne Eisscholle langsam vorschob. Das Spektakel ereignete sich auf einer Eisfläche, die wie ein frisch zugefrorener Weiher aussah. Thomas ermahnte uns, genau auf ihn zu achten. Wenn er den Skistock höbe, sollten wir wegen der dünnen Eisdecke Abstand zueinander halten. Der Stock blieb unten, das Eis hielt. Nicht allein in der Eiswüste Premiere Nummer zwei waren Tierspuren. Für einen Eisbären waren sie eindeutig zu klein. Sie gehörten zu einem Polarfuchs, der hier vor kurzem vorbeigelaufen war. Wir sind also nicht allein in der Eiswüste. "Heute ein Fuchs, morgen ein Eisbär", meinte Frank mit einem breiten Grinsen. ![]() Tägliche Hindernisse Vorsicht, Wasser! Und noch eine Neuigkeit gab es. Zum ersten Mal mussten wir offenes Wasser überqueren, eine etwa zwei Meter breite Rinne. In der Mitte war ein kleines Stück zugefroren, über das wir ans andere Ufer gelangen sollten. Thomas legte seinen langen Schlitten quer über die Rinne und meinte lakonisch: "Wenn ihr einbrecht, zieht euch auf den Schlitten." Ich muss ehrlich gestehen, dass ich ein leicht mulmiges Gefühl hatte. Schließlich verbirgt sich unter dem Eis ein 4000 Meter tiefes Meer. Als ich meinen Schlitten namens Poldi hinter mir her in die Rinne zog, rutschte er mir in die Hacken. Ich wurde nach vorne geschoben und landete mit den Skispitzen im Wasser. Gott sei Dank rutschte ich nicht weiter und so konnte ich mich wieder rückwärts auf sicheren Boden zurückziehen. Das war ein übles Foul Poldis. Auf dem Fussballplatz hätte er wegen des Tritts von hinten mindestens die gelbe Karte gesehen. Im zweiten Anlauf gelangte ich sicher über die Rinne. Bisher sind alle von Schäden verschont geblieben. Noch hat sich keiner eine Frostbeule zugezogen, auch wenn das Thermometer immer noch minus 30 Grad und darunter anzeigt. Unsere Tagesbilanz kann sich sehen lassen: 17,8 Kilometer in acht Stunden. In der Zeit machten wir nur zwei Pausen. "Die sind zum Kotzen", sagte Arnold, "weil es verdammt kalt ist und man ganz schnell auskühlt." Nach dem heutigen Kraftakt werden wir sicher bestens schlafen. Und vom Nordpol träumen, der noch 65,5 Kilometer entfernt ist. Oder von einem heißen Bad oder von den Lieben daheim. P.S. Franks Freundin Sylvia, nach der er seinen Schlitten benannt hat, feiert heute Geburtstag. Das Nordpol-Team gratuliert herzlich und schenkt ihr ein besonderes Foto von Frank. ![]() P.P.S. Um unsere genaue Position zu verfolgen, einfach auf die Karte rechts oben klicken. |
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| 07.04.2009 |
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| Eugen hat sich schon angemeldet. "Wenn wir wieder auf Spitzbergen sind, gehe ich als Erster lange heiß duschen." Sagt es und kriecht wieder ein Stück tiefer in den Schlafsack hinein. Die Kälte bleibt für uns das beherrschende Thema. Auch heute hat sie uns wieder tüchtig zugesetzt. Wir lachen doch über Tiefkühlschränke ![]() Eiswandern Es begann schon in der Nacht. Trotz Arktis-Spezialschlafsack froren wir. Tiefkühlschränke sind gegen die Kälte hier ein Witz. Während die Elektrogeräte meist bei minus 18 Grad Celsius betrieben werden, schlagen wir uns mit Temperaturen jenseits von minus 30 Grad herum. Hühnertanz Alle fürchten vor allem um ihre Finger. Mehrfach wedelten wir wie aufgescheuchte Hühner mit unseren Armen, um die Blutzirkulation wieder in Gang zu bringen. Hätte uns ein Eisbär dabei beobachtet, hätte er uns wahrscheinlich den Vogel gezeigt. Apropos - weder von Eisbären, noch von Vögeln, noch von anderen Lebewesen gibt es hier eine Spur. Nichts, nur wir und das Eis. Faule Sonne Langsam, aber sicher verliere ich nicht nur das Gefühl für den Raum, sondern auch für die Zeit. 24 Stunden lang scheint die Sonne und wärmt doch nicht. Wahrscheinlich wird sie hier nur fürs Leuchten bezahlt. ![]() Eisimpressionen Das Laufen durch die Eiswüste hat fast etwas Meditatives. Die Gedanken kreisen, landen aber doch immer wieder bei der alles beherrschenden Kälte. Acht Stunden lang haben wir ihr heute getrotzt. Ein Lob zur rechten Zeit 15,3 Kilometer haben wir hinter uns gebracht - Luftlinie wohlgemerkt. 83 Kilometer fehlen noch bis zum Nordpol. "Ihr schlagt euch wacker", hat Expeditionsleiter Thomas nach der heutigen Etappe gesagt. Sicher wollte er uns auch ein bisschen Mut machen. Damit wir uns die warme Dusche auf Spitzbergen so richtig verdienen. Erst Eugen, dann wir anderen. |
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| 06.04.2009 |
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| Auf den Tag genau vor 100 Jahren will Robert Peary als erster Mensch den Nordpol erreicht haben. Am Jubiläumstag machen auch wir uns auf den Weg zum Pol. Für Frank beginnt der Tag mit einem Fehlgriff. Er schaut in sein Frühstücksmüsli und ruft aus: "Da ist ja nur Schokolade drin!" "Kein Wunder", sagt Zeltnachbar Arnold, "du hast ja auch die Mousse au Chocolat genommen, den Nachtisch für abends." Eiszapfen an der Nase ![]() Selbstporträt Drei Stunden nach dem Wecken sind die Zelte abgebaut und die Schlitten gepackt. Wir starten bei minus 32 Grad Celsius. Dazu bläst ein leichter, aber durchdringender Wind. An der Neoprenmaske über Nase und Mund bilden sich kleine Eiszapfen. Die Sonnenbrillen packen wir schnell weg. Sie beschlagen von unserem Atem, der sofort gefriert. Fleischeis Die Kälte kriecht förmlich von allen Seiten in den Körper. Ich versuche ständig, Finger und Zehen zu bewegen, doch wärmer werden sie davon auch nicht. Linderung verschaffen die Pausen. Ich trinke warmes Wasser und esse Schweizer Schokolade sowie gefriergetrocknetes Fleisch, das zu einem einzigen Klumpen zusammengefroren ist. ![]() Kräfte tanken trotz Kälte Die Landschaft ist beeindruckend. Eis, so weit das Auge reicht, glatt, verweht oder aufgepresst, Brocken wie willkürlich hingestreut. Braver Poldi Mein Schlitten Poldi pariert übrigens prächtig. Er läuft fast wie am Schnürchen, ohne zu kippen, wie sein Namensgeber in Bestform. Nach sechs Stunden erklärt Thomas die erste Tagesetappe für beendet. In Rekordzeit bauen wir die Zelte auf. Nur heraus aus der Kälte, hinein in den warmen Schlafsack! Zwölf eiskalte Kilometer sind wir heute dem Nordpol näher gekommen. Die Arktis hat ein wenig die Muskeln spielen lassen. Was, wenn sie einmal richtig ernst macht? |
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| 06.04.2009 |
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| Als ich in Longyearbyen, fertig angezogen, auf das Taxi zum Flughafen warte, fragt mich Eugen: "Wohin gehst du?" Ich antworte: "Zum Nordpol. Da war ich noch nicht." Weiche Landung ![]() Herzlich willkommen in Borneo Zwei Stunden später sitzen wir mit etwa zwei Dutzend weiteren Passagieren in einer Antonow-Düsenmaschine. Die andere Hälfte des Kabinenraums ist mit Gepäck und Ausrüstung gefüllt. Nach einer halben Stunde Flugzeit lassen wir die Inseln Spitzbergens hinter uns. Endlos erstreckt sich nun bis zum Horizont eine Eiswüste. Mir schräg gegenüber sitzt ein russischer Mitarbeiter der Eisstation Borneo, sehr beleibt, um es vorsichtig auszudrücken. Er könnte wahrscheinlich wie ein Eisbär ein Jahr fasten und würde dennoch überleben. Der Russe ist ein freundlicher Zeitgenosse. Er übersetzt uns die Durchsagen des Flugkapitäns und schreibt sie auf einen Zettel: "Minus 24 Grad auf Borneo, noch 40 Kilometer." Dann erleben wir eine Bilderbuchlandung auf dem Eis: Kein Ausrutscher, kein Ruckeln. Lediglich die Vollbremsung,die uns in die Sicherheitsgurte drückt, erinnert uns daran, dass wir auf einer kurzen Eispiste gelandet sind. Nummerierte Zelte Auf der Station Borneo ist alles perfekt durchorganisiert. Zelt 11 für einen kleinen Snack, Zelt 7 für die Instruktionen, wie es weitergeht. Die nächsten zwei Stunden vergehen wie im Flug. Wir befüllen und verpacken die Benzinflaschen, lassen uns heißes Wasser in unsere Thermoskannen füllen und ziehen schließlich unsere Schlitten zum wartenden Helikopter. Geduckt neben dem Heli ![]() Erster Zeltaufbau im Eis Borneo liegt derzeit nur 30 Kilometer vom Nordpol entfernt. Also werden wir rund 80 Kilometer weit zurück-, genau auf den 89. Breitengrad geflogen. Nach einer Dreiviertelstunde setzt uns der Hubschrauber ab. Unsere Schlitten werden ausgeladen. Wir ducken uns neben den Helikopter, weil sich die Rotoren weiterdrehen. Dann hebt der Hubschrauber ab. Wir sind alleine, mitten in der Eiswüste. |
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| 05.04.2009 |
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![]() Letzter Blick aufs Wasser Heute geht es ins Eis, auf "the devil´s dancefloor", die Tanzfläche des Teufels, wie Polarabenteurer die Region um den Nordpol gerne nennen. "Jetzt werde ich langsam ein bisschen nervös", sagt Eugen, der Jüngste im Team. "Es ist aufregend, an so einem Abenteuer teilzunehmen." Mir geht es ähnlich, Puls und Adrenalinspiegel steigen. Bitte anschnallen! Gestern Abend brachten wir die gepackten Schlitten und Skier zum Flughafen. Sie wurden gewogen und mit Namensschildern versehen. An diesem Sonntag sind wir auf den zweiten Flug zur Eisstation Borneo gebucht. Voraussichtlich gegen 16 Uhr werden wir starten. Leonid Plenkin, Mitglied der russischen Borneo-Mannschaft, gab uns letzte Anweisungen. Wie in einer Schulklasse saßen wir vor dem Pult, hinter dem Lehrer Leonid stand. Zu dessen Leidwesen funktionierte der Beamer nicht. Der junge Russe musste in gebrochenem Englisch in Worte fassen, was uns eigentlich per Computer gesagt werden sollte. Etwa, dass wir uns unbedingt 20 Minuten vor dem Ende des Flugs anschnallen sollten. Denn wir müssten mit einer harten Landung und einer abrupten Bremsung auf der kurzen Eispiste rechnen. Nichts für schwache Nerven und schwache Blasen. Borneo mit a ![]() Wir sind nicht die einzigen, die es versuchen Vielleicht ermahnte uns Leonid deshalb, ausschließlich die blauen Toilettenboxen der Station zu nutzen, wenn wir ein dringendes Bedürfnis haben sollten. Gelbe Flecken im Eis sind unerwünscht. Außerdem soll es schon Nordpolanwärter gegeben haben, die ausgeflogen werden mussten, weil sie im Freien zu lange für die Erledigung ihres Geschäfts brauchten und sich Erfrierungen zuzogen. "Exercise self-control", übe Selbstdisziplin, heißt es dazu vielsagend im Faltblatt mit den "basic rules", den Grundregeln für Borneo. Dort kann man auch nachlesen, dass die Station politisch korrekt Barneo heißt. Eigentlich war sie auf "Borneo" getauft, doch die Betreiber wollten möglichem Ärger mit Indonesien aus dem Weg gehen. Bekanntlich gibt es dort eine Insel gleichen Namens. Also wurde aus Borneo Barneo. Mir gefällt die ironisch gemeinte ursprüngliche Bezeichnung viel besser. Deshalb bleibe ich dabei und riskiere zur Not auch, dass meine diplomatischen Beziehungen zu Indonesien eingefroren werden. ![]() Liebe Schüler, … Zurzeit treibt die Station Borneo rund 25 Kilometer vom Nordpol entfernt auf dem arktischen Ozean - zu nahe für uns. Schließlich wollen wir exakt auf dem 89. Breitengrad unsere Skier anschnallen, also knapp hundert Kilometer weiter südlich. Sonst heißt es nachher noch: Ihr habt euch auf der Sonneninsel Borneo mit Wodka vollaufen lassen und habt dann einen Spaziergang zum Nordpol gemacht! Um solch übler Nachrede vorzubeugen, besteigen wir auf Borneo einen Helikopter, der uns am gewünschten Startort absetzt – mitten in der Tiefkühltruhe. Nicht ohne Pol Minus 34 Grad Celsius wurden gestern auf Borneo gemessen. "Ich bin sehr gespannt, was das für uns bedeutet", sagt Expeditionsmitglied Frank, für den die Arktis, wie für Eugen und mich, Neuland ist. "Da ich überhaupt nicht weiß, was auf uns zukommt, weiß ich auch gar nicht so richtig, was ich fühlen soll." Arnold dagegen, mit 60 Jahren der Älteste der Mannschaft, hat schon Grönland mit Skiern durchquert. "Ich hoffe, wir haben keine starken Winde, denn dann wird es wirklich unangenehm." ![]() Fünf Mal Entschlossenheit Bloß nicht zu viel grübeln, meint Expeditionsleiter Thomas, der grenzenlosen Optimismus ausstrahlt. "Diese 120 Kilometer werden wir ohne Zweifel schaffen." Genau, ob tiefgefroren oder nicht! Wir werden auf der Tanzfläche des Teufels eine kalte Sohle hinlegen. Oder um es mit Franks Worten zu sagen: "Ohne Pol gehen wir ja hoffentlich nicht zurück." P.S. Von jetzt an werden die Texte kürzer ausfallen, weil sie per Satellit übermittelt werden müssen. Ich hoffe, die Technik spielt mit. Um unsere genaue Position zu verfolgen, einfach auf die Karte rechts oben klicken. |
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| 04.04.2009 |
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![]() Spitzenwetter auf Spitzbergen. Als ich heute Morgen das Rollo des Schlafzimmers aufziehe, blicke ich in einen strahlend blauen Himmel - und sehe eigentlich zum ersten Mal die schöne Umgebung Longyearbyens, die sich gestern hinter den Schneewolken versteckt hielt. Eigentlich das ideale Wetter für eine Spritztour mit einem Skidoo, einem Motorschlitten. Doch leider hatten und haben wir heute noch jede Menge Vorbereitungen zu erledigen. Learning by doing Nach dem Frühstück bauen wir auf einer Eis- und Schneefläche in der Nähe unseres Hauses noch einmal beide Zelte auf - im Gegensatz zu unserem Vorbereitungswochenende in der Schweiz jedoch unter erschwerten Bedingungen. Denn trotz Sonne klettert das Thermometer auch heute nicht über minus 15 Grad Celsius. Und auch der Wind hat sich nicht verabschiedet. Wir haben uns die dicken, klobigen Handschuhe über die Finger gezogen und versuchen nun, die Knoten der Zeltschnüre zu lösen. Ich stoße an die Grenzen meiner Geschicklichkeit und streife die Handschuhe ab. Doch selbst bei diesen im Vergleich zur Nordpolregion wahrscheinlich noch milden Temperaturen rächt sich das sehr schnell. Ruckzuck kühlen die Finger aus. Nach jedem Knoten schlüpfe ich rasch wieder in die Handschuhe. Eine Mogellösung, die ich mir in den nächsten Tagen nicht mehr leisten kann. ![]() Wer hat noch nicht, wer will noch mal? Ein bisschen wirken wir alle noch wie eine Tollpatsch-Kombo – natürlich mit Ausnahme unseres Expeditionsleiters, der alle Handgriffe wie blind beherrscht. Verzweiflung bricht dennoch nicht aus. "Learning by doing" heißt unser Prinzip. Wir setzen darauf, dass wir beim Zeltauf- und -abbau und allem anderen schnell Routine entwickeln. Denn eigentlich ist es ja ganz einfach, und uneigentlich auch. SOS, ein Eisbär! Nachdem wir die Zelte wieder eingerollt haben, ruft uns Thomas zum Notfall-Training. Er zeigt uns, wie das Satellitentelefon, das internationale Alarmgerät und das GPS-Gerät zu bedienen sind, "wenn ich dazu nicht mehr in der Lage sein sollte". Das will ich mir lieber nicht ausmalen. Genauso wenig wie ein ungewolltes Rendezvous mit einem hungrigen Eisbären, der auf Menschenfleisch zum Frühstück steht. "Schön den Arm ausstrecken, bevor ihr den Revolver abfeuert", rät uns Thomas, "sonst habt ihr am Ende selbst ein Loch im Kopf." Was zweifellos unangenehm wäre. Doch vorher würden wir natürlich versuchen, den zotteligen Gast mit einem Schuss aus der Leuchtpistole oder einer Ladung Pfefferspray zu verscheuchen. „Ihr dürft die Dose nicht zu nahe vor das Gesicht halten, sonst hängt ihr selbst in der Pfefferwolke.“ Was ebenfalls ganz und gar nicht im Sinne des Erfinders wäre. ![]() Tischlein, deck dich für Notfälle Besser oben bleiben Auch im eiskalten Polarwasser sollten wir nach Möglichkeit nicht landen."Das Dümmste ist, wenn einer wirklich komplett durchbricht", macht uns Thomas Mut. Dann geht es zunächst einmal darum, den Unglückraben möglichst schnell wieder herauszuziehen, in Windeseile das Zelt aufzustellen und mit Kochern aufzuheizen. Nun wird der lebende Eiszapfen aus seinen Kleidern geschält und in den Schlafsack verfrachtet. Details der Aktion können unten nachgehört werden. Spätestens dann dürfte allen klar sein, dass es wirklich besser wäre, auf dem Eis zu bleiben. |
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| 04.04.2009 |
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| John Garvik entspricht so gar nicht dem Klischee eines Arbeiters in einer Kohlemine. Er ist weder ausgezehrt noch blass. Der 38-Jährige, den wir in einem Restaurant in Longyearbyen treffen, wirkt gesund, topfit und verbreitet gute Laune. John verdient sein Geld in einer Mine in Svea, knapp zehn Kilometer entfernt von Spitzbergens Hauptort: „Es ist eine harte Arbeit. Ich schufte den ganzen Tag in der Mine, zehn bis zwölf Stunden lang. Es ist meist dunkel, nass und kalt.“ Leben zwischen Mine und Tourismus ![]() Wie einst John Munroe Longyear Eine Woche lang arbeitet Garvik in den Stollen der Mine, dann hat er eine Woche frei. In dieser Zeit widmet er sich gemeinsam mit seiner Frau Hanne Bjerk den Touristen, die nach Spitzbergen kommen. Mehrere zehntausend sind es jeden Sommer. Ein Job reicht auf der Insel kaum noch, um über die Runden zu kommen. „Bis zu diesem Jahr konnten die Leute in den Minen arbeiten und hatten ein gutes Auskommen“, sagt Garvik. „Aber in diesem Jahr wurden die Einkommen gekürzt. Ich kenne viele, die andernorts Arbeit suchen, weil es hier immer weniger Geld gibt.“ Auf Spitzbergen sind noch etwa ein Dutzend Minen in Betrieb. Die Kohleindustrie hat Tradition. Longyearbyen verdankt seinen Namen dem US-Amerikaner John Munroe Longyear, der Anfang des 20. Jahrhunderts dort die erste Grubensiedlung auf der Insel gründete. Damals wurde die zahlreichen Schiffe, die zum Fischfang nach Spitzbergen kamen, mit Brennstoff versorgt. Das Denkmal, das an Longyear erinnert, steht heute mitten in der Einkaufszone der Kleinstadt. Wenig Kohle für Kohle Die Kohlemine, in der John Garvik arbeitet, förderte im vergangenen Jahr immerhin vier Millionen Tonnen. Früher subventionierte der norwegische Staat die Kohleindustrie. Jetzt müssen sich die Firmen selbst tragen. Die Weltwirtschaftskrise ist auch an ihnen nicht vorbeigegangen. Der Preis für eine Tonne sei innerhalb eines Jahres von 174 auf 60 Dollar gefallen, sagt Garvik. „Das ist ein echtes Problem.“ Viele Arbeitlose gibt es auf der Inselgruppe, die von Norwegen verwaltet wird und offiziell Svalbard heißt, dennoch nicht. „Jeder, der arbeiten will, kann herkommen“, erklärt John. „Aber wenn du keinen Job mehr hast, musst du wieder mit dem Schiff zurückfahren.“ Herzensangelegenheit ![]() John Garvik und seine Frau Hanne Bjerk Garvik lebt seit November 2000 auf Spitzbergen. Seine Frau lernte er zwei Wochen nach deren Ankunft auf der Insel kennen. Seitdem sind sie ein Paar. John glaubt aber nicht, dass sie hier alt werden. Es gebe viele Leute, die nur für sechs Monate hätten herkommen wollen, nun aber schon dreißig Jahre hier lebten. „Das kommt für mich nicht in Frage“. Garvik macht seine Zukunft davon abhängig, wie es mit der Kohleindustrie weiter geht. „Wenn sich die Talfahrt fortsetzt, mache ich in ein paar Jahren etwas Anderes: auf dem Festland, in Norwegen.“ Solange es geht, wollen John Garvik und Hanne Bjerk aber auf Spitzbergen bleiben. Denn irgendwie hängen die beiden an der Insel. Vielleicht, weil sie hier ihre Herzen aneinander verloren haben. |
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| 03.04.2009 |
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![]() Longyearbyen Meine Wellness-Anwendung für heute liegt schon hinter mir. Gesichts-Peeling war angesagt, bei minus 15 Grad Celsius und Schneesturm. Jetzt, da ich wieder in unserem kleinen, warmen Ferienhaus sitze, glühen die Wangen. Fremder Planet Das nenne ich einen Klimaschock. Nachmittags flog ich in Frankfurt bei plus 20 Grad ab. Als wir nach Mitternacht in Longyearbyen auf Spitzbergen landeten, zeigte das Thermometer minus 18 Grad. Beim Landeanflug hatte ich das Gefühl, auf einem fremden Planeten zu landen. Hinter uns die dunkle Nacht, vor uns ein schmaler heller Streifen, Vorbote des immerwährenden Polartags im arktischen Sommer. Unter uns Eisschollen, die nur an wenigen Stellen aufgerissen waren. Erst als die Maschine vielleicht zehn Meter über dem Boden schwebte, machte ich so etwas wie eine Landebahn inmitten der Eis- und Schneewüste aus. Make-Up für rote Nasen An Bord des Flugzeugs befand sich eine bunte Mischung aus Spitzbergen-Besuchern. In meiner Sitzreihe etwa saß eine junge Visagistin, die erst am Morgen erfahren hatte, dass sie zu einem Foto-Shooting in die Arktis aufbrechen sollte. „Ich weiß noch gar nicht, welches Make-Up ich den Models auftragen soll, damit ihre Nasen nicht so rot aussehen.“ Daneben hatte ein junger Engländer Platz genommen, der zu einem Expeditionsteam der Royal Geographic Society gehörte. Die 20 Studenten werden zehn Wochen lang auf der Inselgruppe zelten, die Eisfläche kartieren und andere Forschungsaufträge ausführen. Plastiktüte bis Pinkelflasche ![]() Der Eisbär wacht Nachdem wir im Flughafengebäude unser Gepäck eingesammelt hatten, fuhren wir mit dem Taxi zu unserem Ferienhaus. Es ist erst vor zwei Wochen fertiggestellt worden. Wir sind die ersten Mieter. Es riecht noch überall nach Holzlasur. Heute Morgen frühstückten wir in einem Hotel im Ort und machten uns dann auf den Weg zu Thomas` Materiallager. Dort wurde jedem von uns die noch fehlende Ausrüstung zugeteilt: Plastiktüten, die wir über die Socken ziehen, Schuhe, Überzughosen, Schlafsäcke, Matten, Skier, Thermoskannen, Becher, Pinkelflaschen. Nicht zu vergessen natürlich unsere Schlitten, die allesamt Namen haben. Eugen hat seinen aus nahe liegendem Grund „Slave“ getauft, Frank seinen nach der Freundin „Sylvia“. Arnolds Schlitten heißt wegen der Farbe des Packsacks „Blue“, der von Thomas wegen der länglichen Form des Geräts „Torpedo“ und meiner, wie bereits eingeführt, „Poldi“. Schafschwein ![]() Seltsame Tiere Jetzt liegt das gesamte Material im Ferienhaus. Jeder hat seine eigene Ecke, damit nichts durcheinander gerät. Morgen Abend werden wir die Ausrüstung zum Flughafen bringen, damit sie bereits in den russischen Flieger verladen werden kann. Am Sonntag sind wir auf den zweiten Flug des Tages zur Eisstation Borneo gebucht. Für den Spruch des Tages war Eugen verantwortlich. Er hatte sich kurz von der Gruppe abgesetzt, um Fotos zu machen. Als ich ihn anschließend fragte, was er vor die Linse bekommen habe, antwortete er: „Eine Mischung aus Schafen und Schweinen“. Thomas begann lauthals zu lachen, und dann auch alle anderen. Eugen hatte junge Rentiere fotografiert. P.S. Wer wissen will, wo wir uns von Sonntag an auf dem Weg zum Nordpol befinden, muss nur auf die Karte rechts oben klicken. |
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| 02.04.2009 |
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| Ich bin unterwegs. Endlich. Es wurde Zeit. Ich glaube, so langsam, aber sicher wurde ich für meine Nächsten zu einer Belastung. Die letzten Tage vor einer Expedition müssen für sie eine Qual sein. Ständig laufe ich wie ein Hyperaktiver herum. Überall liegen Checklisten oder Merkzettel herum, damit ich auch ja nichts vergesse. Dann geschehen Geschichten wie gestern jene mit den falschen Batterien. Ich gerate in solchen Situationen nicht gerade in Panik, aber das Adrenalin muss einfach heraus. Und so fluche ich wie ein Berserker. Leidtragende ![]() Abschied Manchmal vergesse ich dann, dass auch die anderen ein Leben führen, das mit dem Nordpol nur insofern etwas zu tun hat, dass ich wieder einmal für längere Zeit aus ihrer Nähe verschwinde. Ich muss mich dann wirklich zwingen, den Erzählungen meiner Frau und meiner Kinder die Konzentration zu schenken, die sie verdienen. Denn machen wir uns nichts vor: Die Leidtragenden einer Expedition sind immer die Familien. Nach meiner Expedition 2005 zur Nordwand des Mount Everest erhielt ich eine von allen Familienmitgliedern unterzeichnete Erklärung, dass ich künftig zu Hause bleiben solle. Andernfalls werde gestreikt. 2007 brach ich wieder in den Himalaya auf. Free bird Zu meinen Lieblingssongs gehört "Free bird" von Lynyrd Skynyrd - vor allem wegen der nicht enden wollenden Gitarrensolos, aber auch weil das Lied von einem Abenteurer geschrieben worden sein muss. Der Sänger erzählt seiner Liebsten, dass er nicht bleiben kann, "cause I´m as free as bird, and this bird you cannot change". Ganz schön egoistisch. Der komische Vogel verlangt, dass sie ihn fliegen lässt, weil sie ihn ohnehin nicht ändern kann. Und dass sie alleine mit der Angst fertig werden muss, ob er auch wieder heimkehrt. Genauso verhalten sich in der Regel Abenteurer. Solche und solche ![]() Von Frankfurt über Oslo nach Spitzbergen Sind sie deshalb verantwortungslos? Ich glaube nicht unbedingt. Denn wie überall im Leben gibt es solche und solche. Die einen sind Hasardeure, die auf nichts und niemanden, auch nicht auf sich selbst Rücksicht nehmen. Die anderen kalkulieren die Risiken genau und haben auch den Mut umzukehren, wenn die Gefahr übermächtig wird. Nur die Abenteurer der zweiten Sorte haben die Chance, alt zu werden. Ich kann nicht versprechen wiederzukommen. Das liegt in höherer Hand. Aber ich verspreche, vorsichtig und umsichtig zu sein, damit ich heile zurückkehre. Ich hoffe, dass ich mit meinen Erlebnissen anschließend auch das Leben meiner Lieben bereichern kann. Und ich bin ihnen unendlich dankbar, dass sie mich komischen Vogel so nehmen wie ich bin und mich nicht mit Vorwürfen überschütten. |
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| 01.04.2009 |
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| Es ist dieses komische Gefühl, das mich immer beschleicht, wenn ich mich tage- oder wochenlang auf ein Projekt konzentriert habe, alles gedanklich hundertundein Mal von links nach rechts und zurück gewendet habe und eigentlich mit den Vorbereitungen fertig bin. Die Ausrüstung, inklusive der reparierten Lesebrille, ist in der Reisetasche und im Rucksack verstaut. Eigentlich könnte ich mich jetzt mit einer Tasse Kaffee gemütlich in den Sessel setzen und die letzten Stunden zu Hause genießen. Wenn da nicht dieser kleine Nervling in meinem Hirn wohnen würde, der mir etwa alle fünf Minuten einflüstert: "Hast du auch an alles gedacht, wirklich nichts vergessen? Gehe lieber noch einmal alles durch!" Vor dem Packeis kommt das Packen ![]() Vorne rechts die Lesebrille, links im roten Sack die unbekannte Fahne Dann packe ich den Rucksack mit den technischen Geräten, die ich für die Berichte aus dem Eis benötige, wieder aus. Noch einmal überprüfe ich das Gepäck anhand der Checkliste. Alles da, die Fotoapparate und Aufnahmegeräte samt Kabelage wandern wieder zurück in den Rucksack. Kurz darauf meldet sich der Nervling wieder: "Hast du auch die kleinen Kopfhörer eingepackt?" Ja, sicher. Irgendwo dazwischen müssen sie doch stecken. Ich finde sie nicht auf Anhieb. Wieder alles heraus. Ach, da sind sie ja. Und so weiter. Adrenalinstoß in der Morgenstunde Heute morgen bin ich in fünf Minuten um fünf Monate gealtert. Als mir die fünfzig polartauglichen Lithium-Batterien, die ich mir per Elektro-Versandhandel habe zuschicken lassen, in die Hände fallen, denke ich, vielleicht sollte ich sie doch einmal testen. Ich stecke zwei Batterien in meine Digitalkamera. Nichts! Ich lege sie in das Aufnahmegerät. Immerhin gibt es ein Lebenszeichen, aber warum leuchtet das Licht im Display schon unmittelbar nach Einsetzen der Batterien auf und nicht erst nach dem Einschalten? Mir schwant Böses. Doppeltes Glück Also setze ich mich schnell ins Auto, fahre 20 Kilometer bis zur Kölner Filiale des Elektro-Unternehmens und schildere mein Problem. „Die Batterien haben zu viel Spannung“, erklärt mir ein freundlicher Mitarbeiter. "Sie haben Glück, dass ihr Aufnahmegerät nicht gleich ganz den Geist aufgegeben hat." Noch mehr Glück habe ich, weil von der richtigen Sorte genügend auf Lager sind. Mein Problem ist gelöst. Die zweite gute Tat der Kerze im Dom. Aber musste das wirklich am letzten Tag vor der Abreise passieren? "Ja", sagt der Nervling in meinem Kopf. "Hast du auch wirklich nichts vergessen?" P.S. Ein Kollege fragte mich gestern, welchen besonderen Spruch er mir als einem Polarreisenden mit auf den Weg geben solle. Schwierig. "Hals- und Beinbruch!" passt halbwegs, "Mast- und Schotbruch!" gar nicht. Vielleicht "Frostbeule und Eisbär!". Jede weitere Idee ist einen Kommentar (siehe unten) wert. |
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| 31.03.2009 |
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![]() Nachrichten heißen nicht umsonst so. Man soll sich danach richten. Was fange ich also mit der Meldung an, die vor anderthalb Wochen durch die Gazetten und über die Sender ging? "Einen verzweifelten Hilferuf haben drei britische Forscher abgesetzt, die mit Skiern zum Nordpol gelangen wollten und bei Sturm und Eiseskälte festsitzen." Muss ich jetzt zu Hause bleiben? Argumentiert und geflunkert Häufig wurde ich in den letzten Tagen auf diese Nachricht angesprochen und gefragt, ob ich nicht ins Zweifeln geraten sei. "Nein", antwortete ich dann im Brustton der Überzeugung, "weil man auch nicht Äpfel mit Birnen vergleicht. Die Briten legen 1000 Kilometer, wir nur 120 zurück. Sie werden aus der Luft versorgt, wir nehmen unsere Lebensmittel komplett mit." Und die Story sei auch nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht worden sei. Sonst wären die Forscher nach dem Eintreffen des Versorgungsflugs heimgekehrt und hätten ihren Weg zum Nordpol nicht, wie geschehen, fortgesetzt. Auch wenn die Argumentation überzeugend ist, ein bisschen geflunkert habe ich schon. Denn natürlich frage auch ich mich bei solchen Meldungen, ob die Latte nicht zu hoch liegt? Sind die Risiken wirklich kalkulierbar und damit zu verantworten? "Wer nicht zweifelt, muss verrückt sein", hat der kluge Schauspieler Peter Ustinov kurz vor seinem Tod gesagt. Des Kölners Grundgesetz Dem Kölner an sich hilft in diesen Augenblicken eine Facette seiner Mentalität, die ihren Ausdruck in Artikel 3 des Kölschen Grundgesetzes findet: Et hätt noch immer jot jejange. Auf hochdeutsch: Es ist noch immer gut gegangen. Diese optimistische Grundhaltung ergänzt der Kölner, wenn es wirklich eng wird, mit einem Ritual. ![]() Das dritthöchste Kirchengebäude der Welt Wenn der 1. FC Köln wieder einmal abzusteigen droht, wenn es Rosenmontag regnen oder das Kölsch teurer werden soll, dann entzündet der Kölner im Dom eine Kerze. Er muss nicht einmal an den lieben Gott glauben, um davon überzeugt zu sein, dass nach dieser Handlung nichts, aber auch gar nichts mehr schief gehen kann. Maulwurf braucht Hilfe Ich habe es gut. Ich bin nicht nur Kölner, sondern auch Christ. Insofern konnte es einfach kein Fehler sein, vor der am Donnerstag beginnenden Expedition eine Kerze im Dom aufzustellen. Ein bisschen Doping von oben darf sein. Denn der Teufel steckt bekanntlich im Detail. ![]() O Sch....reck! Am Sonntag etwa fiel mir die Lesebrille auf die Kellerfliesen. Ein Glas ging zu Bruch. Wie dumm! Ohne Nasen-Fahrrad bin ich inzwischen - ja, ja, der Zahn der Zeit - auf kurze Entfernung fast so blind wie ein Maulwurf. Der Optiker hat versprochen, die Brille rechtzeitig zur Abreise zu reparieren. Allein dafür hat sich die Kerze doch schon gelohnt. |
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| 30.03.2009 |
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| Extreme Kälte ist ungesund, nicht nur für Menschen, auch für die Technik. Schon in der ersten Phase meiner Planungen für die Nordpol-Expedition fragte ich mich natürlich: Wie kann ich Berichte, Fotos und Tonmaterial aus dem Eis überspielen? Welche Geräte taugen überhaupt für Temperaturen bis minus 35 Grad Celsius oder sogar noch darunter? Warmduscher Bewegliche Teile neigen dazu einzufrieren. Also dachte ich zunächst daran, mit einem Netbook, ohne sich drehende Festplatte, mit einem Festkörperlaufwerk ausgestattet, zu arbeiten. Freundlicherweise überließ mir ein Hersteller ein Gerät zu Testzwecken. Anfang Januar fiel das Thermometer selbst in Köln nachts auf Werte um minus 15 Grad. Also ließ ich das Netbook auf unserer Terrasse im Freien übernachten. ![]() Satz mit x, war wohl nix Frühmorgens versuchte ich, den Computer zu starten. Das Lämpchen für "Eingeschaltet" leuchtete auch brav auf, mehr geschah jedoch nicht. Der Bildschirm blieb schwarz. Erst nachdem sich das Netbook eine Weile im Wohnzimmer aufgewärmt hatte, beendete es seinen Streik. Auf Arbeitskämpfe am Nordpol habe ich definitiv keine Lust. Also schickte ich das Gerät wieder zurück. In Zeitlupe Die nächste Ernüchterung folgte, als ich Informationen über die Satellitenversorgung der Region um den Nordpol sammelte. Ich suchte den Rat mehrerer Arktisabenteurer. Übereinstimmend berichteten sie mir, dass ich nicht auf das vor zwei Jahren am Achttausender Manaslu genutzte Satellitennetz, das mir schnelle Datentransfers erlaubte, zurückgreifen könne. Es erreiche die unmittelbare Umgebung des Nordpols schlichtweg nicht. Das am Nordpol verfügbare Netz schaffe in der gleichen Zeit nur einen Bruchteil der Datenmenge – kein Streikender wie das Netbook, aber ein Zeitlupen-Arbeiter. Auch die im Himalaya bewährte Solarstromanlage taugt für die Arktis kaum. Das Sonnenlicht ist zu Anfang des arktischen Sommers schwach, das Solarpanel müsste entsprechend groß ausfallen. Mit anderen Worten: Unpraktisch für Polarreisende, die ihr Material im Schlitten hinter sich herziehen. Kältefest Es musste also eine Speziallösung her. Hier ist sie: Ich werde eine kleine digitale Fotokamera und ein Aufnahmegerät benutzen, die ich jeweils am Körper tragen kann. Sie werden mit kleinen Lithium-Batterien betrieben, die bis zu einer Temperatur von minus 55 Grad arbeiten. Texte und Fotos gebe ich am Abend dann in einen PDA ein, einen nur handgroßen Computer. Von dort wandern die mittels Spezialprogramm komprimierten Daten per Satellitenhandy ins Internet. Die Stromversorgung des Computers und des Telefons läuft über eine Spezialkonstruktion eines Schweizer Elektrikers, die unser Expeditionsleiter Thomas Ulrich bereits bei seiner letzten Expedition eingesetzt hat. Tonmaterial kann ich wegen der niedrigen Datenübertragungsrate nicht überspielen. Doch ich plane, per Satellitentelefon direkt Tagesberichte abzusetzen, die dann als Audio (mp3)-Anhänge im Blog erscheinen sollen. Wenn sich im ganzen System nicht doch noch irgendein Streikposten versteckt hat, der mich bei minus 35 Grad zu Verhandlungen zwingt. |
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| 29.03.2009 |
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| Mein Vater ist eine rheinische Frohnatur im besten Sinne. Er lacht viel, ist immer für einen Scherz gut und singt für sein Leben gerne. Die Karnevals- oder Geburtstagspartys in meinem Elternhaus waren früher legendär und gehören zu meinen unvergesslichen Kindheitserlebnissen. Mein Vater lief dabei regelmäßig zur Bestform auf. Dann schnappte er sich die kleine, wunderschöne, alte Gitarre, die ihm einst sein Onkel, ein professioneller Musiker an der Oper, vererbt hatte, schlug in die Saiten und begann zu singen. Das Repertoire meines Vaters an Gassenhauern war und ist fast unerschöpflich. Allerspätestens beim zweiten Lied hatte er die Gäste so weit, dass sie mit einstimmten und zur Melodie schunkelten oder klatschten. Wandelnde Jukebox ![]() Wie er leibt und lebt Inzwischen ist mein Vater 77 Jahre alt und ein wenig ruhiger geworden. Doch das ist lediglich der Tribut an die Natur. In seinem Innern ist er ganz der Alte geblieben, eine wandelnde Jukebox. Dann und wann öffnet er sie und alles ist wie früher. Unser spezielles Vater-Sohn-Lied ist eigentlich "Am Zuckerhut, am Zuckerhut, da geht´s den Señoritas gut, weil jeder Mann im Sambaschritt sein Herz so schnell verliert ....". Doch das passt natürlich gar nicht zur Nordpol-Expedition. Aber natürlich hat mein Vater auch für diesen Anlass einen Schlager parat: "Fahr´n Sie nicht zum Nordpol". 1951 war das ein Hit aus dem Kinofilm "Die verschleierte Maja" mit Maria Litto und Willy Fritsch in den Hauptrollen, laut Nachschlagewerk ein deutscher Revuefilm, die "müde Geschichte" einer Tänzerin. Der besagte Schlager ist alles andere als müde, besonders wenn mein Vater ihn trällert. Wer es mir nicht glaubt, kann es unten nachhören. Zum Mitsingen Bisher kannte mein Vater nur die erste Strophe. Wetten, dass er, wenn er demnächst wieder einmal in Partylaune ist und zur "Klampfe" greift, auch die beiden anderen Strophen in sein Repertoire aufgenommen hat? Es lohnt sich. Vor allem wegen der Passage, die ich im Liedtext fett hervorhebe: Fahr´n Sie nicht zum Nordpol, fahr´n Sie da nicht hin, nein, bitte lassen Sie das sein! Kalt ist die Polarnacht, die bald jedem klar macht, hier friert auch heiße Liebe ein. Oje, oje, bleiben Sie hier! Fahr´n Sie nicht zum Nordpol, das hat keinen Sinn, das ist bestimmt kein Paradies! Da gibt es kein Kino, keinen roten Vino, auch die Geschäfte gehen mies. Kalter Wind, kalter Kuss, kalte Füße, kein Genuss, wie, oh Graus, hält ein Mensch das nur aus? Fahr´n Sie nicht zum Nordpol, fahr´n Sie da nicht hin, da wächst kein Gras, da wächst kein Kraut, nicht einmal Tomaten und statt Gänsebraten, kriegt man nur eine Gänsehaut. |
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| 28.03.2009 |
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| Ich werde eine Fahne zum Nordpol mitnehmen. Absoluter Quatsch eigentlich. Genauso gut könnte ich im Sommer mitten auf dem Badesee ein Fähnchen in die Luftmatratze rammen und laut ausrufen: Dieser Punkt ist mein. Der Karpfen darunter würde sich vor Lachen verschlucken. Und dennoch werde ich eine Fahne einpacken. Allein schon aus Frackigkeit, wie man hier im Rheinland sagt. Was sinngemäß bedeutet: So billig kommt ihr mir nicht davon! Denn die Russen haben doch tatsächlich 2007 genau unter dem Nordpol mit einem Mini-U-Boot eine rostfreie russische Fahne in den Meeresboden gerammt. In 4261 Metern Tiefe! Wäre ich Asterow oder Obelow, würde ich sagen: Die spinnen, die Russen. Das schreit ja gewissermaßen nach einem Gegenpol. Wo hört das Festland auf? ![]() Tief getaucht "Dafür hätten wir kein Forschungsgeld bekommen", sagt Dr. Wilfried Jokat vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, mit dem ich über die spektakuläre PR-Aktion von 2007 spreche. Russland habe einfach seine Ansprüche in der Polarregion deutlich machen wollen, meint der Geophysiker. "Diese Ansprüche sind zum Teil auch gerechtfertigt. Ob sie bis zum Nordpol reichen, bezweifle ich." Allen Anrainerstaaten der Arktis, also neben Russland auch Norwegen, Dänemark (wegen Grönland), Kanada und den USA steht laut Seerecht der Vereinten Nationen eine jeweils 200 Seemeilen, also 370 Kilometer breite Küstenzone zu, in der sie allein fischen und die Bodenschätze ausbeuten dürfen. Diese Zone kann ausgedehnt werden, wenn es gelingt nachzuweisen, dass sich der Schelf, sprich der Festlandssockel des Landes unter der Meeresoberfläche fortsetzt. Wessen Fuß steht zu Recht auf dem Handtuch? Bei der aktuellen Diskussion um die Ansprüche in der Nordpolarregion geht es vor allem um den Lomonossow-Rücken, benannt nach einem russischen Wissenschaftler des 18. Jahrhunderts. Diese 1800 Kilometer lange, bis zu 200 Kilometer breite Erhebung auf dem Meeresboden verläuft von einer Inselgruppe vor Sibirien über den Nordpol bis in die Nähe Grönlands. Es ist fast wie am Strand auf Mallorca: Von jeder Seite stellt jemand seinen Fuß aufs Unterwasser-Handtuch und behauptet, mehr Anspruch darauf zu haben als die anderen. Das muss natürlich wissenschaftlich untermauert sein, denn letztlich entscheidet eine UN-Kommission. Dr. Jokat glaubt, dass Russland die besten Chancen hat. So sei das Eis vor Sibirien schon immer deutlich dünner gewesen als vor Grönland oder Kanada – ein möglicher Hinweis darauf, dass Schelf und Meeresrücken zusammengehörten. Wer bekommt das größte Kuchenstück? ![]() Und ewig lockt das Öl Nicht umsonst sind die Arktisstaaten so scharf auf die Region. Unter dem Polarmeer werden riesige Öl- und Gasvorkommen vermutet. Die Rede ist von geschätzten zehn Milliarden Tonnen. "Was wirklich unter dem Ozean liegt, ist sehr spekulativ", meint Geophysiker Jokat. Doch egal wie groß der Kuchen ist, jeder will ein möglichst großes Stück davon und versucht, sein Fähnchen in die Sahne zu stecken. Einen heißen Krieg um die kalte Region befürchtet der Wissenschaftler jedoch nicht. "Die Forderungen der Anrainer überlappen kaum. Es gibt also wenig Konfliktpotential." Der Nordpol sei nur ein Symbol. "Was die Russen mit ihrer Flagge erreicht haben ist, dass die anderen Arktisländer aufgewacht sind." Mal sehen, wer die Augen aufschlägt, wenn ich am Pol meine Fahne entrolle. Welche das sein wird, verrate ich natürlich nicht. P.S. Das Salz in der Suppe eines Blogs sind die Kommentare. Also haut in die Tasten! |
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| 27.03.2009 |
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| Ich gehöre nicht nur zur Generation Golf (vor unserer Haustür steht wirklich ein Golf der 3. Generation), sondern auch zur Generation Google. Wenn ich ehrlich bin, vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht irgendeinen Begriff in die Suchmaschine schmeiße und warte, was sie ausspuckt. Auf unserem Familiencomputer ist Google nicht umsonst die Startseite. Denn durch die Bank googeln alle, was das Zeug hält. Nimmt man unseren Haushalt als Maßstab, war es mehr als gerechtfertigt, das Verb 2004 als Synonym für die Suche im Netz in den Duden aufzunehmen. Nur zum Spaß: Geben Sie Nordpol und Blog ein. Was steht, natürlich völlig zu Recht, an erster Stelle der Suchergebnisse? Einmal dürfen Sie raten. Narren vom Nordpol ![]() Der gute, alte Globus hilft auch nicht weiter Sehr beliebt bei jung und alt im Hause N. ist auch Google Earth, der virtuelle Globus, auf dem wir in Sekundenschnelle an jeden Ort der Erde reisen können und per Satellitenbild ein Auge auf ihn werfen können. Also gebe ich in die Suchmaske „Nordpol“ ein. Google Earth bietet mir nun im deutschsprachigen Raum jede Menge Nordpole an: Gaststätten, Hotels, ein Taxiunternehmen, eine Seifenfabrik oder einen Hersteller von Spielen. Mein Favorit sind die „Narren vom Nordpol“. Dabei handelt es sich um eine vor 27 Jahren gegründete Fastnacht-Gruppe aus Bühl im Schwarzwald, die bei Umzügen wahlweise als Eisbären oder Pinguine verkleidet sind, wobei letztere am Nordpol wirklich nur im Kostüm auftauchen. Käpt´n Blaubär am Pol Aber eigentlich sollte mich Google Earth ja zum richtigen Nordpol fliegen lassen. Ich versuche es mit der englischen Bezeichnung „North Pole“. Eine gute Idee. Schon rase ich voller Vorfreude in die gewünschte Richtung. Sekunden später erreiche ich 90 Grad Nord und sehe... ![]() Nichts! Oder vielmehr nur blau! Hat der Nordpol einen über den Durst getrunken oder ist er ins Tintenfass gefallen? Sind die Eisbären zur Käpt´n Blaubären mutiert? Oder ist das Eis schon weggeschmolzen und Google Earth greift dem Klimawandel vor? Eis gleich Wasser Das will ich genauer wissen. Also googele (oder heißt es google?) ich die Begriffe Google Earth und Nordpol. Und siehe da, ich bin nicht der erste, der sich fragt, seit wann der Nordpol blau ist. Ich finde in einem Internet-Forum auch eine plausible Antwort: Für den virtuellen Globus gilt das schwimmende Eis am Nordpol als gefrorenes Wasser und das wird prinzipiell blau dargestellt. Spielverderber! Ich weiß also immer noch nicht, wie es am Nordpol aussieht. Dann muss ich wohl hinfahren. In sechs Tagen geht es los. |
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| 26.03.2009 |
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![]() An Ludwig Wittgenstein bin ich als Jugendlicher verzweifelt. Sein "Tractatus Logico Philosophicus" von 1921, den wir in der Schule durchkauen mussten, war mir schlicht eine Nummer zu hoch. Danach war ich für die Philosophie verloren. Das Schöne am Journalismus ist, dass man Wittgenstein zitieren kann, ohne ihn zu verstehen: "Der Name bedeutet den Gegenstand. Der Gegenstand ist seine Bedeutung." Alles klar? Nein? Dann gibt es jetzt ein paar hoffentlich verständlichere Erklärungen zu Begriffen, die während der Expedition im Blog auftauchen könnten: Arktis: Die Bezeichnung leitet sich von "arctós" ab, dem altgriechischen Wort für Bär. Arktikòs bedeutete "Land unter dem Sternbild des Großen Bären". Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man unter Arktis das Gebiet um den Nordpol. Dessen Grenzen sind nicht klar definiert. Früher bezeichnete man die Gebiete nördlich des nördlichen Polarkreises als Arktis. Heute wählt man meist das für die Region typische Klima und die Vegetation als Kriterien. Drift: Das Meereis bewegt sich, abhängig von Meeresströmung, Eisdicke und Temperatur, unterschiedlich schnell in eine Hauptrichtung. Der norwegische Polarforscher Fridtjof Nansen wollte 1893 die Eisdrift nutzen, um als Erster den Nordpol zu erreichen. Er ließ sein packeistaugliches Schiff Fram absichtlich westlich der Neusibirischen Inseln im Treibeis festfrieren. Die Fram trieb allerdings am Pol vorbei. Eis: Feste Form von Wasser. Eis bildet sich, a) wenn Wasser auf dem Meer oder in Flüssen gefriert, b) durch Kondensation von Wasserdampf in der Luft oder c) wenn Schnee gepresst oder von Wasser durchsetzt wird, das dann friert. Eisberg: Große Masse treibenden Eises, von Gletschern oder Schelfeis abgebrochen. Der Eisberg ragt nur zu einem kleinen Teil über dem Meeresspiegel hinaus, der größere Teil treibt unter der Wasseroberfläche. Eisblink: Tief gelegene Wolken hellen über einem Eisfeld auf und leuchten am Horizont. Eisbrei: Kleine, weißliche Klumpen, die wie Schwämme aussehen und sich bilden, wenn Jungeis (s.u.) entsteht. Eisnebel: Kleine Eiskristalle schweben glitzernd in der Luft und erschweren die Sicht. Bei Sonnenlicht können sich Halos (s.u.) bilden. Eisschlamm: Zusammengefrorene Eisnadeln auf dem Wasser. Der Schlamm ist grau und wirkt in größerer Ausdehnung auf dem Polarmeer dunkel. Eisprismen: Eiskristalle in der Form von Nadeln, Säulen oder Plättchen, die vom Himmel fallen und so klein sind, dass sie fast in der Luft zu schweben scheinen. Eisschollen: Schwimmende Meereisstücke, die Durchmesser von über 20 Kilometern erreichen können. Jungeis (auch Neueis): frisch gebildetes Eis, fünf bis 15 cm dick. Halo: Ring um die Sonne in den Regenbogenfarben, der entsteht, wenn das Sonnenlicht an Eiskristallen gebrochen oder gebeugt wird. Meereis: Gefrorenes Meerwasser, das auf dem Ozean treibt, insbesondere Eisberge und Eisschollen (s.o). Meist liegt auf dem Meereis, dessen Salzgehalt nur drei bis fünf Promille beträgt, Schnee. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Ausdehnung des arktischen Meereises rasant zurückgegangen. Mehrjähriges Eis: Mehr als die Hälfte des arktischen Packeises besteht aus älteren Eisschollen, die sich im Laufe der Zeit aus Jungeis gebildet haben und immer dicker geworden sind. Packeis: Häufigste Form von Meereis, bis zu 3,5 Meter dick. Je nach Jahreszeit bedeckt Packeis in der Arktis eine Fläche von bis zu 13 Millionen Quadratkilometer. Packeis entsteht, wenn sich Eisschollen willkürlich übereinander häufen. Pfannkucheneis: Neugebildete Eisstücke, die fast kreisförmig sind und einen Durchmesser von bis zu drei Metern haben. Polynja: Aus dem Russischen: "Loch im Eis". Große Fläche offenen Wassers im Meereis, die durch Wind, Gezeiten oder warmes, aufsteigendes Meerwasser entstehen kann. Presseis: Durch Meeresströmung oder Wind gepresstes oder aufgeschobenes Eis. Es bilden sich Hügel, die bis zu acht Meter hoch sein können. Oft bilden sich lange Reihen. Diese Presseisrücken geben dem Packeis seine charakteristische Erscheinung und erschweren die Fortbewegung in der Arktis. Riss, Rinne: Wenn das Meereis durch Strömung, Wind oder Gezeiten bricht, bilden sich schmale Risse mit offenem Wasser, die noch übersprungen werden können. Größere Rinnen müssen umgangen werden. Whiteout: Tageslicht wird durch mehrfache Reflexion zwischen einer Schnee- oder Eisfläche und der Wolkendecke zerstreut. Die Kontraste verschwimmen, der Horizont verschwindet. Der Polarreisende hat das Gefühl, sich orientierungslos in einem leeren, grauen Raum zu bewegen. |
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| 25.03.2009 |
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| Wir starten in acht Tagen. Die russische Mannschaft, die alljährlich für den Monat April auf einer stabilen Eisscholle am 89. Breitengrad unter abenteuerlichen Umständen eine Landepiste anlegt, hat sich Ende vergangener Woche auf den Weg gemacht. Das Material für den auf dem Polarmeer schwimmenden Flugplatz mit dem sonnigen Namen "Borneo" wird, an Fallschirmen befestigt, auf das Eis abgeworfen. Ebenso der Treibstoff für die Hubschrauber und Flugzeuge, die dort starten und landen sollen. Marias Segen für Borneo Vor der Abreise holte sich das Borneo-Team noch in der orthodoxen Maria-Verkündigungs-Kathedrale im Moskauer Kreml, der Hauskirche der früheren Zaren, den Segen der Heiligen Jungfrau für das Unternehmen. Denn es ist auch schon vorgekommen, dass sich schweres Gerät beim Aufprall durch das Eis bohrte und auf Nimmerwiedersehen im arktischen Ozean verschwand. In Zeiten des Klimawandels, in denen das Polareis dahinschmilzt, steigt eben auch das Risiko, eine dünne Stelle zu erwischen. In vier Tagen durch die Passage ![]() Polarstern, unterforderter Eisbrecher Die Abenteurer, die Jahrhunderte lang vergeblich versuchten, den Seeweg nach Asien durch die Nordwest-Passage zu finden, hätten sich wahrscheinlich nach solchen Bedingungen die Finger geleckt. Der Norweger Roald Amundsen, dem 1906 die erste Durchfahrt gelang, benötigte dafür drei Jahre. Ganze vier Tage brauchte im Sommer 2008 das deutsche Forschungsschiff Polarstern, das anschließend auch noch durch die Nordostpassage schipperte und damit in gut zwei Monaten den Nordpol komplett umrundete. Durch die Arktis geflutscht Nach der Rückkehr der Polarstern von der Expedition ging ich im vergangenen Oktober in Bremerhaven an Bord des Eisbrechers. "Diesmal war es anders", sagte damals Kapitän Stefan Schwarze, der seit den 1990er Jahren auf der Brücke der Polarstern steht. "Das Eis war nicht da." Das Schiff flutschte regelrecht durch die Polarregion. ![]() Kapitän Schwarze, unterforderter Eisfahrer Wahrscheinlich hätte auch ein weniger erfahrener Kapitän bei dieser Tour kaum Probleme gehabt. Die Fertigkeit des Eisfahrens, so Schwarze, sei nicht nötig gewesen. Bei früheren Expeditionen hatte der Kapitän immer sorgfältig mit dem Treibstoffvorrat haushalten müssen. "Da muss man sehr genau nachrechnen, damit man nicht nur ins Eis hineinfährt, sondern auch wieder heraus. Wenn das Eis fehlt, ist das alles leichter." Kleiner Schweißfaktor Nun könnte man ja denken: Bei weiter steigenden Temperaturen in der Polarregion brechen von den Gletschern mehr Eisberge ab, die zur Gefahr für die Schiffe werden. Nicht so auf der Arktis-Fahrt 2008 der Polarstern. "Ich habe wirklich gedacht, es gibt mehr Eisberge", sagte Stefan Schwarze. "In anderen Gegenden, in denen ich gefahren bin, war der Schweißfaktor doch wesentlich größer." Sollte die Erderwärmung fortschreiten, "was ja, ich betone das, noch nicht erwiesen ist", sieht der Kapitän der Polarstern in der Nordost- und der Nordwestpassage eine günstige Alternative für den Frachtweg von Europa nach Asien und Amerika. "Dann braucht man keinen Eisbrecher mehr." Und auch keinen Experten im Eisfahren wie Stefan Schwarze. |
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| 24.03.2009 |
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| Noch neun Tage bis zu meinem Abflug nach Spitzbergen. Zu einem Abenteuer, das wahrscheinlich ein Auslaufmodell ist. Denn das Eis der Arktis schmilzt. Oder etwa nicht? In diesem strengen Winter, der den Alpen Rekordschneemengen und selbst den Niederungen Dauerfrost bescherte, wuchs die Zahl der Zweifler. Immer wieder hörte ich: So schlimm könne der Klimawandel wohl nicht sein, wenn man trotz angeblichen Treibhauseffektes vor Kälte bibbere. So denkt der Mann auf der Straße, nicht aber der Wissenschaftler. Den interessiert weniger, dass ich heute friere, sondern ob ich in den vergangenen dreißig oder mehr Jahren ständig im Winter unter der Kuscheldecke verschwunden bin. Wie Softeis in der Frühlingssonne ![]() Mehr Wasser oder Meereis? Mein Eis-Mann ist Professor Rüdiger Gerdes, den ich in Bremerhaven besuche. Als Ozeanograph im Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung beschäftigt er sich mit dem arktischen Meereis. Seit Anfang der 1970er Jahre ermitteln Forscher des Instituts regelmäßig die Größe des Eisfeldes rund um den Nordpol. "Wir sehen starke Schwankungen von Jahr zu Jahr, aber vor allem langfristig den Trend, dass die Eisausdehnung abnimmt." In den letzen beiden Jahren schmolz das Meereis der Arktis wie Softeis in der Frühlingssonne. 2007 sei die Eisfläche um 30 Prozent kleiner gewesen als im Vorjahr, sagt der Experte. 2008 habe sich daran kaum etwas geändert. Professor Gerdes spricht von einem "dramatischen Rückgang" des Eises, tritt dann aber sofort auf die Panikbremse. Es könne sich durchaus auch um eine natürliche Schwankung handeln. Auf ein Jahr mit kleiner Eisfläche folge oft ein Jahr mit großer Ausdehnung, "weil der offene Ozean stark auskühlt und die Bildung neuen Eises eher fördert". Die Frage ist: Wann? Doch wie gesagt, der langfristige Trend zählt. Und das arktische Eisfeld ist in den letzten 30 Jahren nicht nur um fast die Hälfte kleiner geworden, sondern offenbar auch dünner. Das jedenfalls haben Wissenschaftler bei Eisbohrungen und Messungen aus U-Booten oder vom Hubschrauber aus festgestellt. ![]() Prof. Gerdes, Meereis-Experte "Wir müssen uns gedanklich sicher darauf einstellen, dass die Arktis im Sommer irgendwann eisfrei sein wird", resümiert Rüdiger Gerdes. Alle Modellrechnungen kommen zu diesem Ergebnis. Uneinigkeit herrscht nur über die Frage, wann es soweit sein wird. "Das schwankt zwischen 2040 und irgendwann im 22. Jahrhundert." Wenn das Eis verschwindet, verändert sich der Wärmeaustausch zwischen dem arktischen Ozean und der Atmosphäre. "Welche Auswirkungen das auf uns hier in Deutschland hat, ist schwer zu sagen", formuliert der Ozeanograph vorsichtig. Skier einmotten, Paddel mitnehmen Immerhin die Schuldfrage ist geklärt. "Im Fall der Arktis ist ziemlich klar, dass der langfristige Rückgang des Meereises mit dem Treibhauseffekt zusammenhängt", sprich ein Eigentor der Menschheit ist. Aber können wir die Eiskugel nicht aus dem Netz holen und das Spiel noch drehen? "Selbst wenn wir jetzt komplett mit dem Ausstoß von Treibhausgasen aufhören würden, was absolut unrealistisch ist, würde sich der Ozean noch eine Zeit lang erwärmen", sagt Professor Gerdes. Er hält es für ausgeschlossen, dass sich das Meereis noch einmal auf eine Fläche wie etwa 1950 ausdehnt. "Das wird nicht passieren". Meine Urenkel werden also wohl eher mit dem Kajak zum Nordpol paddeln als auf Skiern dorthin marschieren, wie ihr Urgroßvater anno 2009. |
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| 23.03.2009 |
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![]() Nordpol-High-Heels mit Plastiksocke Wer mitreden will, muss hinsehen. Für deutsche Teenies weiblichen Geschlechts gibt es derzeit einen Fernseh-Pflichttermin: Donnerstagabend, Germany´s Next Topmodel. In unseren frühen Tagen war es Heidi, "Deine Welt sind die Berge", heute ist es Klum´s Heidi, "Deine Welt sind die Laufstege". Der berühmteste Export der Kleinstadt Bergisch Gladbach (nach dem Turner Fabian Hambüchen und Fußballtorwart Tim Wiese) spielt dabei Woche für Woche Richter und Henker: Wer nicht in der Lage ist, auf 40 Zentimeter hohen Absätzen, mit nichts weiter als einer Bandnudel bekleidet, zauberhaft zu lächeln, fliegt raus. Tipp für Heidi Vielleicht sollte ich Heidi einen heißen Tipp für eine weitere coole Aufgabe geben. Wie wäre es, die Mädels am heißen Strand von Sydney in die Klamotten eines Nordpol-Wanderers zu stecken, einen Schlitten über den Sand ziehen, einen Benzinkocher anwerfen, gefriergetrocknete Expeditionsnahrung zubereiten und verspeisen zu lassen, um dann das total entspannte Foto des Tages zu schießen? Das wäre eine echte Herausforderung. Vielleicht könnten wir dann ja nach unserer Nordpoltour als Experten mit am Jurytisch sitzen.Wenn wir unsere Schlitten über das Eis der Arktis ziehen, werden wir gekleidet sein, wie eine Zwiebel aufgebaut ist: Mehrere Häute liegen übereinander. Bereits die Unterwäsche besteht aus drei Lagen Merino-Wolle, die gegenüber synthetischer Funktionswäsche den Vorteil hat, deutlich weniger zu müffeln, wenn sie zum achten Mal durchgeschwitzt wurde. Darüber tragen wir eine wasserundurchlässige, winddichte, aber atmungsaktive Jacke und Hose. Bei Zwischenstopps oder extremer Kälte ziehen wir zunächst eine dicke Daunenweste über, dann noch Daunenjacke und –hose. Schweißbremse Inzwischen habe ich ja gelernt, dass besonders Füße, Hände, Nase und Ohren anfällig für Erfrierungen sind. Dementsprechend intensiv werden sie geschützt. Die Füße stecken in dicken Wollsocken. Darüber wird eine Plastiktüte gezogen, damit der Schweiß in der Socke und der Schuh trocken bleibt. Nun schlüpfen wir in einen Innenschuh aus Filz und dann erst in den eigentlichen Kunststoffschuh, mit dem wir auf die Skier steigen. Auch die Hände sind mehrlagig geschützt: erste Schicht Fingerhandschuhe aus dünner Wolle, zweite Schicht Fäustlinge aus gefilzter dicker Wolle, dritte Schicht winddichte Fäustlinge aus synthetischem Material. ![]() Zeig´her deine Hände! Zum Schutz des Gesichts haben wir eine dünne und eine Neopren-Sturmmaske, sowie eine leichte und eine warme, winddichte Mütze im Gepäck. Von den Inuit lernen Auch wenn es sich größtenteils um hochmoderne Fabrikate handelt, orientiert sich unsere Bekleidung im Prinzip an der traditionellen der Inuit. Denn die Bewohner der Arktis trugen, bevor auch bei ihnen die synthetischen Materialien Einzug hielten, mehrere Schichten aus Tierhäuten und Pelzen übereinander. Die Luft dazwischen wirkte isolierend und wärmte. Ihre Lederstiefel fütterten die Inuit mit Fell, rieben die oberste Lage der Hosen und Kapuzenjacken mit Fett ein und machten sie so wasser- und winddicht. Das wäre dann vielleicht etwas für die letzte Runde in Heidi Klums Show: Sie könnte die noch verbliebenen Kandidatinnen in mit altem, stinkenden Tran getränkte Ledermäntel stecken und sie von hungrigen Eisbären über den Laufsteg jagen lassen. Und bitte schön, zauberhaft lächeln! |
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| 22.03.2009 |
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| Seit Monaten immer das gleiche Bild. Egal, wohin ich komme, irgendwer schnäuzt sich die Nase oder hustet in die vorgehaltene Hand. Bazillenschleudern allerorten. Die Armen können natürlich nichts dafür, aber ich bin es einfach satt, immer zu denken: Hoffentlich stecke ich mich nicht an. Wochenlang hat mein Immunsystem tapfer dagegen gehalten, dann aber lag ich flach. Fünf Tage lang konnte ich nicht für die Expedition trainieren. Virenfreie Zone ![]() Nordpol-Patient? Am Nordpol wäre mir das nicht passiert. "Viren brauchen Lebewesen, um zu überleben und sich zu vermehren. Und es ist auch nicht bekannt, dass Eisbären Schnupfen oder Husten haben. Insofern sind Sie da also relativ sicher", sagt der Kölner Medizinprofessor Gerhard Uhlenbruck, der mir zur Begrüßung nicht die Hand geben wollte, weil die Erkältungswelle vor einigen Tagen auch ihn erwischt hat. Zum einen gebe es also keine Viren in der arktischen Luft, zum anderen stimuliere der Kältereiz die Atemwege und mache sie damit gewissermaßen fit. Ein guter Schutz vor Erkältungen. Fit wie ein Turnschuh Dieses Kapitel kann ich also spätestens mit dem Abflug nach Spitzbergen abhaken, ein anderes nicht. Denn wenn das Thermometer auf Temperaturen bis minus 30 Grad Celsius oder sogar noch tiefer fällt, drohen Erfrierungen. Der Körper, der ja zum größten Teil aus Wasser bestehe, werde dann nicht mehr richtig durchblutet, erklärt Professor Uhlenbruck. Stoffwechselprozesse kämen zum Erliegen, das Todesurteil für Zellen. "Erfrierungen betreffen vor allem die Extremitäten, alles was herausragt. Ohren, Nase, Hände, Füße." Der Blutstrom dürfe nicht stagnieren. "Deshalb immer in Bewegung bleiben!" Ich verstehe: Mit den Ohren wackeln, die Nase rümpfen und schön beständig meinen Schlitten namens Poldi übers Eis ziehen. Dafür muss natürlich die Kondition stimmen. Professor Uhlenbruck empfiehlt eine "Fitness wie beim Marathontraining", mit Joggen und Kraftübungen, damit der Körper optimal durchblutet sei. Der Wissenschaftler ist früher selbst erfolgreich Marathon gelaufen. Mit fast 80 Jahren schnürt er immer noch oft die Laufschuhe. Bärenstarkes Frostschutzmittel Uhlenbruck, trotz fortgeschrittenen Alters immer noch Fachmann für Immunbiologie an der Universitätsklinik Köln, erklärt mir begeistert, dass Eisbären und andere Tiere der Arktis ein "natürliches Frostschutzmittel" besäßen. In ihrem Blut seien sogenannte "Antifreeze-Glykoproteine" nachgewiesen worden, zuckerhaltige Eiweißmoleküle, die Wasser bänden und dafür sorgten, dass das Blut nicht stocke oder gerinne. Warum, frage ich, lasse ich mir dann nicht einfach Antifreezer spritzen? Der Professor lächelt über den "fast schon humoristischen Aspekt", der aber gar nicht so abwegig sei. Die Glykoproteine gebe es im biochemischen Katalog zu kaufen, heftige Immunreaktionen seien eher nicht zu erwarten. ![]() Prof. Uhlenbruck, Ex-Marathonläufer und Fachmann für Immunbiologie Vielleicht wird das natürliche Frostschutzmittel ja irgendwann zur Standard-Apotheke von Nordpolabenteurern gehören. Wir aber müssen noch ohne Antifreezer auskommen. Ich frage den Experten nach Warnsignalen für eine mögliche Erfrierung. Zuerst verschwinde das Gefühl in Händen und Beinen, sagt Professor Uhlenbruck, ein Zeichen dafür, dass die Nerven nicht mehr richtig reagierten. Dann müsse man die betroffenen Körperteile langsam erwärmen, "ja keine Schocktherapie", die zu lebensbedrohlichen Embolien und Thrombosen führen könne. Er empfehle auch, viel zu trinken, am besten warme Flüssigkeiten. Blau ist schlecht Bei ausreichender Fitness müssten leichte Erfrierungen jedoch nicht unbedingt zum sofortigen Ende der Expedition führen. Ich solle mir vorher in der Fachliteratur genau die Bilder der verschiedenen Stadien von Erfrierungen ansehen. "Wenn etwas blau ist und blau bleibt, dann sollte man die Nummer vom Helikopter wählen." Also immer schön abgeklärt bleiben. Das ist auch der Tipp, den mir Professor Gerhard Uhlenbruck zum Schluss noch mit auf den Weg zum Nordpol gibt: "Man darf sich nicht unter Stress setzen, das ist absolut tödlich! Die Gefäße ziehen sich zusammen, die Gefahr zu erfrieren steigt. Also beim Anblick eines Eisbären cool bleiben." Ich werde versuchen, mich an seine Worte zu erinnern. |
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| 20.03.2009 |
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![]() Auf der Stelle schwitzen Meine Kardiologin ist zufrieden. "Sie sind topfit", verkündet sie mir nach dem Leistungs-EKG. Ich lächle und denke mir: Wie alles im Leben ist auch dies relativ. Der Altersschnitt der Patienten, die an diesem Morgen im Wartezimmer sitzen, dürfte deutlich jenseits der 70 liegen, da wird ein fußlahmer Mittvierziger schnell zum Spitzenathleten erklärt. Ich spare mir also euphorische Anwandlungen, bin aber zufrieden, dass ich auf dem Ergometer bei gleicher Pulsfrequenz 25 Watt mehr getreten habe als bei meinem letzen Besuch Anfang 2008. Mit genetischer Veranlagung zu Bluthochdruck und hohem Cholesterin-Wert muss ich einmal im Jahr zur Kontrolle. Spreu oder Weizen Seit vergangenem Herbst, als feststand, dass ich zum Nordpol fahren würde, trainiere ich für die Expedition. "Im Eis trennt sich sehr schnell die Spreu vom Weizen", hat Expeditionsleiter Thomas verkündet. Zum Edelweizen wird es bei mir nicht reichen, aber beim ersten Dreschen will ich nicht direkt durchs Sieb fallen. Thomas hat uns ein Aufbauprogramm für acht Wochen zukommen lassen, an das ich mich in den vergangenen Monaten, so gut es ging, gehalten habe. ![]() Joggen mit Mikro, nachzuhören unten Es sieht drei bis vier etwa einstündige Einheiten pro Woche vor, eine Mischung aus Konditions- und Krafttraining. Um die Ausdauer zu verbessern, jogge ich. Wenn das Wetter es zulässt, führt meine Strecke von unserem Haus zum Rhein, entlang der Flusspromenade, über einen Deich und, nach einem Abstecher in die Rheinaue und in einen angrenzenden Park, wieder zurück. Geschätzte zehn Kilometer, gefühlt manchmal das Doppelte. Wenn es wieder einmal aus vollen Kübeln schüttet, jogge ich auf dem Laufband im Kraftraum der Deutschen Welle. Spargelinski oder Arni Dort stehen auch einige Kraftgeräte. Doch eigentlich brauche ich die gar nicht. Der Trainingsplan sieht so "wunderbare" Übungen wie Liegestütze mit angewinkelten Unterarmen und einem nach oben gestreckten Bein vor. ![]() Sterbender Nordpol-Schwan Für mich, der muskelmäßig eher zu Spargelinski als zu Arnold Schwarzenegger neigt, kommt das der Folter ziemlich nahe. Die Übungen zur Stärkung der Bauchmuskulatur sind auch nicht viel angenehmer, müssen aber sein. Denn schließlich wird das Zuggeschirr unserer Schlitten um die Taille gelegt. Dort wird er sich zu meinem kleinen "Rettungsring" gesellen, der trotz aller Bemühungen einfach nicht verschwinden will: Sixspeck statt Sixpack. Doch wie sagte meine Kardiologin beim Diagnosegespräch so schön? "Übertreiben sie es am Nordpol nicht!" Genau, sonst schieße ich nachher noch vor lauter Elan über den ominösen Punkt hinaus. |
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| 19.03.2009 |
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![]() Zu (fast) jeder kulinarischen Schandtat bereit "Wie wäre es mit einem Testessen?". Als ich nach dem Vorbereitungs- Wochenende in der Schweiz meine Frau und Kinder fragte, ob sie nicht Lust hätten, einmal eine gefriergetrocknete Mahlzeit a´la Nordpol zu kosten, waren alle gleich Feuer und Flamme. Müsli und Schweizer Schokolade Die Tagesration für jeden Expeditionsteilnehmer summiert sich auf 4741,35 Kilokalorien. Zum Frühstück gibt es Müsli, für das wir Vollmilchpulver mit Schmelzwasser anrühren. In der Milch schwimmen dann Haferflocken, Zucker, Rosinen, Nüsse und Olivenöl, dazu schlürfen wir einen Schokodrink und Milchkaffee. Während unserer Tagesetappen greifen wir zur klassischen Wanderer-Nahrung: Mineraldrinks, Fruchtriegel, Trockenfrüchte, Nüsse, und (darauf freue ich mich schon jetzt) jeden Tag eine Tafel Schweizer Schokolade. Dazu gibt es täglich in einer kleinen Plastiktüte 100 g Trockenfleisch. Nach der Tagesetappe, wenn das Zelt steht, wartet der kulinarische Höhepunkt: eine Hauptspeise und ein Dessert. Was ist eigentlich Lapskaus? ![]() Freiwillige vor Expeditionsleiter Thomas hat mir zum Probieren eine Portion Lapskaus und als Nachtisch Haselnuss-Pudding mitgegeben. Lapskaus stand noch nie auf dem Speisekalender meiner Familie. Die Begeisterung hält sich in Grenzen, als ich verkünde, dass es sich um eine traditionelle Seefahrerkost, ein Mischmasch aus Pökelfleisch, Hering, Gemüse und Kartoffeln handelt. Den Fisch haben die norwegischen Produzenten der Expeditionsnahrung weggelassen. Komisch eigentlich, gehört Norwegen doch zu den größten Fischerei-Nationen der Welt. Wie Mamas Möhren-Eintopf Jan reißt die Packung auf. "Iiiiii", ist die erste Reaktion meiner Töchter Sarah, Chantal und Yvonne, auf das, was sie im Innern erblicken. "Das ist ja voll eklig, sieht aus wie getrocknete K …" (Originalzitat kann im Audio unter dem Text nachgehört werden). Jetzt geben wir heißes Wasser in die Alu-Tüte, rühren gut um, verschließen die Packung wieder und warten fünf Minuten. ![]() Begeisterung sieht anders aus Der spannende Augenblick: Jeder gräbt seine Gabel in den Lapskaus und kostet. "Schmeckt eigentlich ganz gut", sagt Yvonne, fast wie Mamas Möhren-Kartoffel-Eintopf, "wobei der Nachgeschmack eklig ist". Chantal beschwert sich, dass etwas Hartes im Brei sei. "So schlimm wie es aussieht, schmeckt es nicht", meint Sarah. "Gar nicht übel. Darf ich den Rest haben?", witzelt Björn, schiebt allerdings nach, dass der Lapskaus ein bisschen salzig geraten sei. Das finden auch die anderen. Allgemein kommt der Lapskaus im Urteil der Familien-Jury aber ganz gut weg. "Schmeckt wie Kantinen-Eintopf", bringt es meine Frau Veronika auf den Punkt. Das Beste zum Dessert ![]() Pudding wird zum Renner "Vor dem Nachtisch wird der Hauptgang aufgegessen", mahnt Björn zur Disziplin. Jan erbarmt sich des Restes. Der Haselnuss-Pudding ist mit kaltem Wasser aufgeschüttet worden. Zehn Minuten hat er gezogen. "Ziemlich nussig, ganz gut", findet Veronika. "Der schmeckt nach Krokant", stellt Yvonne fest. "Eher wie Kuchenteig", meint Sarah. Auch Chantal hat es geschmeckt: "Darf ich noch mal?" Doch jetzt hat sich Jan das Dessert unter den Nagel gerissen und lobt die Macher: "Das hätte ich nicht besser gekonnt." Und Yvonne fasst die Meinung meiner Kinder zusammen: "Ich würde mich eigentlich nur noch von Nachtisch ernähren!" |
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| 18.03.2009 |
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| Schon einmal, vor anderthalb Jahren, habe ich mit Arved Fuchs über den Klimawandel und seine Folgen für die Arktis gesprochen. Damals wie heute hatte ich das Gefühl, dass sich der Puls des Abenteurers bei diesem Thema erhöht. Immerhin hat Fuchs in Summe einige Jahre seines Lebens in den Polregionen verbracht hat. Die Arktis ist für ihn eine echte Herzensangelegenheit. Und "die großartige Naturlandschaft", wie Fuchs die Region um den Nordpol nennt, ist bedroht. "Die Arktis erwärmt sich derzeit doppelt so schnell wie der Rest der Welt. Sie ist ein Frühwarnsystem", sagt der Abenteurer. Alarmsignale ernst nehmen 2004 habe er mit seinem Segelschiff "Dagmar Aaen" noch in der Nordwestpassage wegen großer Eismassen überwintern müssen. 2007 und 2008 seien die Nordwest- und auch die Nordostpassage komplett eisfrei gewesen. "Diese Alarmsignale sollten wir ernst nehmen, aber wir tun es immer noch nicht. Wir versuchen im Grunde, Vorteile aus dem Klimawandel zu ziehen und blenden dabei die Konsequenzen für die ganze Welt sehr effektiv aus." ![]() "Dagmar Aaen" im Polareis Von internationalen Klimakonferenzen erwartet Fuchs nicht mehr viel. Dort werde das Problem nur verwaltet. "Es gibt immer angeblich wichtigere Dinge, wie die Bankenkrise oder die Wirtschaftskrise." Goldgräberstimmung in der Arktis Ich weise darauf hin, dass der Klimawandel manchem möglicherweise gar nicht so ungelegen komme. Schließlich werden unter dem Polarmeer die größten noch unentdeckten Rohstoff-Reservoire der Erde vermutet. Auch Fuchs hat in den letzten Jahren beobachtet, "dass gerade mulitinationale Konzerne sehr gut aufgestellt sind, technisch wie logistisch, um an die Rohstoffe heranzukommen." Und auch politisch werde Druck gemacht. Fuchs erinnert an die medienwirksame Aktion Russlands im August 2007, mit U-Booten am Meeresgrund unter dem Nordpol eine russische Titanflagge zu verankern. "Das macht man nicht aus Jux und Tollerei. Im arktischen Raum, und das gilt auch für die anderen Anrainerstaaten, herrscht Goldgräberstimmung. Jeder versucht, seinen Claim abzustecken." Natur ist kein Freizeitpark Erwartet Arved Fuchs, dass der Umweltschutz wieder einmal auf dem Altar der Rohstoff-Ausbeutung geopfert wird? "Ich bin eher jemand, der von Haus aus optimistisch ist", sagt Fuchs. Er setze sich dafür ein, den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft die Augen zu öffnen. Der drohende Schaden für die Volkswirtschaften durch den Klimawandel werde den der aktuellen Wirtschaftskrise um ein Vielfaches übersteigen, "wenn man nicht rechtzeitig entgegensteuert, wenn man alle Warnsignale der Arktis ignoriert. Ich hoffe, dass sich die Einsicht durchsetzt." Fuchs selbst organisiert Veranstaltungen mit Jugendlichen, den "Entscheidungsträgern von morgen". Er will sie für die Probleme der Arktis sensibilisieren. "Wir alle müssen erkennen, dass wir die Natur nicht wie einen Stadt- oder Freizeitpark zur Verfügung haben, mit dem wir schalten und walten können, wie es uns beliebt. Wir sind auch in der Pflicht, diese Natur für künftige Generationen zu erhalten." |
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| 17.03.2009 |
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| War Edward Peary oder Frederik Cook der erste Mensch am Nordpol? Das frage ich auch Arved Fuchs, der - ganz unbestritten - 1989, also vor 20 Jahren, als erster Deutscher zu Fuß den Nordpol erreichte. Man könne mit einiger Bestimmtheit sagen, dass Cook nicht am Pol gewesen sei, meint Fuchs, "wenngleich seine Expedition eine sehr anspruchsvolle und sehr bemerkenswerte war". Bei Peary ist der deutsche Abenteurer großzügiger. "Ob er nun exakt auf 90 Grad Nord gestanden hat, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben. Es gibt da einige Ungereimtheiten. Aber ich glaube, er darf mit Fug und Recht den Anspruch erheben, zuerst in unmittelbarer Nähe des Pols gewesen zu sein." Der Weg ist das Ziel Arved Fuchs lebt in Bad Bramstedt, nördlich von Hamburg, wenn der 55-Jährige nicht gerade auf Expedition oder Vortragsreise ist. 1980 versuchte der Abenteurer erstmals, den Nordpol zu Fuß zu erreichen, und das solo. "Der Nordpol selbst ist nicht der Punkt meiner Sehnsüchte gewesen, sondern der Weg dorthin. Es ist wirklich die schwierigste Aufgabe, die man sich im Polarbereich stellen kann. Es sind viel mehr Nordpolar- als Südpolarexpeditionen gescheitert." ![]() Arved Fuchs, der erste Deutsche, der Nord- und Südpol zu Fuß erreichte Auch Fuchs blieb im ersten Anlauf der Erfolg versagt. Den hatte er neun Jahre später. Der Deutsche gehörte 1989 zu einer acht Mann starken internationalen Nordpol-Mannschaft. Die ICEWALK-Expedition, die der Brite Robert Swan leitete, stand unter der Schirmherrschaft des Umweltprogramms der Vereinten Nationen und sollte auf die ökologischen Probleme in der Arktis aufmerksam machen. Das Team legte von Nordkanada aus in 56 Tagen rund 1000 Kilometer bis zum Nordpol zurück. Aus der Luft wurde die Mannschaft mit Nahrung und Brennstoff versorgt. Die Bedingungen waren extrem. Das Thermometer fiel zeitweise auf minus 52 Grad Celsius. Kein Gipfel, nur Packeis Als die acht am 14. Mai 1989 den Pol erreichten, brauchten sie eine Weile, um es wirklich zu realisieren. "Der innere Drive war noch immer gegenwärtig, zu sagen: Du musst laufen, du musst laufen, lass uns weitergehen! Aber hier war der Stopp. Der Augenblick wirkte irritierend", erinnert sich Fuchs. "Aber dann kamen natürlich die Freude und auch dieses erlösende Moment, am Ziel zu sein." Der Nordpol sei eben nur ein imaginärer Punkt. "Er sieht genauso aus wie die 1000 Kilometer, die hinter einem liegen. Es ist nicht der Gipfel wie bei einem Berg, es ist nicht eine Forschungsexpedition wie am Südpol, sondern es ist einfach nur Packeis, Treibeis. Den Nordpol muss man sich ernavigieren." Im selben Jahr durchquerte Fuchs auch noch mit der lebenden Bergsteiger-Legende Reinhold Messner aus Südtirol die Antarktis. Am 30. Dezember 1989 passierten die beiden Abenteurer den Südpol. Fuchs war damit der erste Mensch, der in einem Jahr zu Fuß beide Pole erreichte. Hohe Kunst des Polarreisens ![]() "Grandiose Landschaft" Bis heute ist Arved Fuchs den Polargebieten treu geblieben. An die Kälte gewöhne man sich irgendwann. Dann, so Fuchs, öffneten sich der Blick und das Empfinden für die Landschaften, die Menschen, die Tiere, die Flora und Fauna der Eisregionen. "Ich fahre nicht dorthin, um mich irgendwelchem Ungemach auszusetzen, sondern weil es mir sehr viel gibt und ich die Landschaften mag." In die Arktis, die Region um den Nordpol, zog es Fuchs immer wieder, ob an Bord seines umgebauten alten Haikutters "Dagmar Aaen" oder auf Skiern und mit Hundeschlitten. "Es ist eine sportliche Herausforderung, aber auch ein Sich-Messen mit der Natur, ob man wirklich fit genug ist im mentalen und im physischen Bereich, ob man es logistisch im Griff und alle Eventualitäten bedacht hat. Es ist wirklich die hohe Kunst des Polarreisens, dort unterwegs zu sein." P.S. Arved Fuchs´ Ansichten zu aktuellen Arktis-Fragen gibt es morgen im Blog zu lesen und hören. |
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| 16.03.2009 |
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![]() Frederick Cook, erst gefeiert, dann verspottet Generationen haben über diese Frage gestritten. Hat am 21. April 1908 der US-Amerikaner Frederick Albert Cook als erster Mensch den Nordpol erreicht oder am 6. April 1909 sein Landsmann Robert Edwin Peary? "Mit Sicherheit ist keiner von beiden direkt am Pol gewesen", meint Dr. Reinhard Krause, Naturwissenschaftshistoriker am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Immerhin, schätzt Krause, sei Peary dem nördlichsten Punkt relativ nahe gekommen. Cook hingegen habe sich wohl auf das Meereis gewagt, den Pol aber nicht erreicht. "Er hat sich ja auch durch frühere Betrugsmanöver selbst diskreditiert". Der New Yorker Arzt, Sohn eines deutschen Einwanderers, hatte 1908 in einem Buch über seine angebliche Erstbesteigung des Mount McKinley, des höchsten Bergs Nordamerikas, ein gefälschtes Foto veröffentlicht. Mein Freund, der Präsident Robert Peary hatte schon zu Lebzeiten prominente Fürsprecher, bis hinauf zum damaligen Präsidenten der USA. Theodore Roosevelt schrieb in einem Vorwort zu Pearys Nordpol-Buch: "Kommandeur Peary hat alle Bewohner der zivilisierten Welt zu seinen Schuldnern gemacht." ![]() Robert Peary, Pionier oder Schwindler? Doch auch hinter Pearys Berichten stehen dicke Fragezeichen. Die Geschwindigkeit, mit der Peary und seine Gefährten die letzten Etappen zum Pol und zurück angeblich zurücklegten, wurde bei späteren Expeditionen nicht einmal annähernd erreicht. Im Originaltagebuch fehlt zudem ein Eintrag für den 6. April 1909. Das auf diesen Tag datierte Blatt mit Pearys Zeilen ("Endlich der Pol. Der Preis dreier Jahrhunderte, mein Traum und Ziel seit 23 Jahren. Endlich mein.") wurde möglicherweise erst später hinzugefügt. Schwierige Navigation Und woher wusste Peary eigentlich, dass er 90 Grad Nord erreicht hatte? "Die Navigationsunterlagen, die ich gesehen habe, sind geradezu lächerlich", sagt Dr. Krause. "Es ist völlig unverständlich, wie man daraus schließen konnte, dass man am Pol war." Zudem, so der Experte, habe Peary seinen "besten Mann", Robert Bartlett, bei 86 Grad Nord nach Hause geschickt. "Bartlett war der einzige, der wusste, wie Sextant geschrieben wurde." Im Gegensatz zu Pearys schlampiger Navigation habe der Norweger Roald Amundsen 1911 am Südpol zwei Tage darauf verwandt, den Punkt genau einzumessen. "Das war vernünftig." Der britische Polarforscher und -Abenteurer Wally Herbert, der 1984 das bis dahin geheime Tagebuch Pearys einsehen durfte, kam aufgrund seiner Recherchen zu dem Schluss, dass Peary den Pol um etwa 100 Seemeilen, also 185 Kilometer verfehlt haben dürfte. ![]() Naturwissenschafts-Historiker Dr. Krause Also alles nur Lügengeschichten, Räuberpistolen? Dr. Krause nimmt die Polarpioniere ein wenig in Schutz. Die Navigation am Nordpol, so der Naturwissenschaftshistoriker, gestalte sich ohne die Hilfsmittel unserer Tage wie GPS extrem schwierig. "Es ist permanent hell, die Sonne steht sehr tief, Nebel verdeckt unter Umständen den Horizont, der Untergrund bewegt sich, der Kompass hat eine sehr große Missweisung. Diese Komplikationen führen dazu, dass man nicht ohne Weiteres sagen kann, dieser Punkt hier plus/minus 100 Meter ist der Nordpol." Mehr Berufsabenteurer als Forscher Dennoch: Peary und Cook strebten vor allem nach einem prestigeträchtigen Erfolg. Beide waren frühe Berufsabenteurer, die davon lebten, dass sie ihre Unternehmungen vermarkteten. Wissenschaftlich gesehen, sagt Dr. Reinhard Krause, sei es ihnen und auch späteren Nordpol-Abenteurern nur darum gegangen, das polare Becken zu erforschen, angetrieben von der "Vision, man würde im arktischen Ozean noch große, unentdeckte Landmassen finden. Das wäre natürlich eine ruhmreiche Angelegenheit gewesen." Doch diese Landmassen gibt es in der Region um den Nordpol nicht. Davon konnten sich der Italiener Umberto Nobile, der amerikanische Millionär Lincoln Ellsworth und der Norweger Roald Amundsen am 12. Mai 1926 überzeugen, als sie im Luftschiff Norge über den Pol flogen. Es war die erste erfolgreiche Nordpol-Expedition, deren Ausgang nicht angezweifelt wurde. |
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| 15.03.2009 |
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| 1497 Erster (vergeblicher) Versuch des Italieners Giovanni Caboto alias John Cabot, im Auftrag der britischen Marine die Nordwestpassage, den Seeweg von Nordamerika aus durch die Arktis nach Asien, zu finden. 1527 Erste bekannte Expedition mit dem Ziel, den Nordpol zu erreichen. Der Brite Robert Thorne scheitert. 15. – 18. Jahrhundert Zahlreiche weitere erfolglose Versuche, die Nordwest- und auch die Nordostpassage entlang der russischen Küste zu durchsegeln. Auch der große britische Entdecker James Cook sucht bei seiner dritten Weltreise 1776-1779 vergeblich nach dem nördlichen Seeweg nach Asien. 1827 Der Brite William Edward Parry erreicht mit Schlitten 82° 45` nördlicher Breite, ein Rekord, der rund 50 Jahre hält. 1845 Der Brite John Franklin startet zu einer Expedition Richtung Nordwestpassage, die tragisch endet. Franklin und die gesamte Mannschaft kommen ums Leben. Mehrere Suchexpeditionen folgen. 1869 Zwei deutschen Schiffe unter Leitung von Karl Koldewey und Paul Hegemann brechen zu einer Polarexpedition auf. Die Hanse wird vom Packeis zerdrückt. Die Mannschaft kann sich auf einer treibenden Eisscholle retten. 1876 Britische Expedition unter George Nares erreicht 83° 20´ N. In einem Telegramm während der Rückreise schreibt der Kapitän frustriert: "North Pole impracticable (Nordpol nicht machbar)“. 1878/79 Dem Schweden Adolf Erik von Nordenskiöld gelingt mit dem Schiff Vega die erste Durchquerung der Nordostpassage. 1893-96 Der Norweger Fridtjof Nansen lässt sich mit seinem Schiff Fram vor Sibirien vom Packeis einschließen. Er hofft, von der Eisdrift zum Nordpol getrieben zu werden. Als klar ist, dass die Fram am nördlichsten Punkt vorbeitreibt, versucht Nansen, mit seinem Gefährten Hjalmar Johansen zu Fuß den Pol zu erreichen. Sie kommen bis 86° 13´ N (418 km Entfernung vom Pol. Anschließend kämpfen sich Nansen und Johansen auf Skiern und mit Kajaks bis nach Franz-Josef-Land durch. Dort treffen sie 15 Monate nach ihrem Aufbruch auf ein englisches Expeditionsteam und sind gerettet. 1903-06 Dem Norweger Roald Amundsen gelingt als Erstem auf der Gjöa die Durchquerung der Nordwestpassage. 1908 Der US-Amerikaner Frederick Albert Cook behauptet, am 21. April als erster Mensch den Nordpol erreicht zu haben. Viele glauben ihm schon damals nicht.1909 Der US-Amerikaner Robert Edwin Peary erklärt, er sei am 6. April (im Gegensatz zu Cook) wirklich am Pol gewesen. Auch hier gibt es begründete Zweifel. 1926 Der US-Amerikaner Robert Byrd will am 8. Mai mit dem Flugzeug den Nordpol überflogen haben. Seine Angaben sind ebenfalls zweifelhaft. 1926 Der Italiener Umberto Nobile, der Norweger Roald Amundsen und der US-Amerikaner Lincoln Ellsworth überfliegen am 12. Mai mit dem Luftschiff Norge den Pol. 1937 Russische Forscher werden von einem Flugzeug in unmittelbarer Nähe des Nordpols abgesetzt. 1948 Eine russische Expedition unter Leitung von Alexander Kusnezow fliegt zum Pol. 1958 Das US-Atom-U-Boot Nautilus durchfährt den arktischen Ozean unter dem Eis und erreicht dabei auch den Nordpol. Ein Jahr später durchbricht das amerikanische U-Boot Skate bei einer ähnlichen Fahrt am Pol das Eis. 1968 Eine Gruppe unter Leitung des US-Amerikaners Ralph Plaisted erreicht mit Motorschlitten den Pol. 1968/69 Ein Expeditionsteam, geleitet vom Briten Wally Herbert, durchquert mit Hundeschlitten die Arktis von Spitzbergen über den Pol nach Alaska. Die Gruppe wird aus der Luft mit Nahrung versorgt, ist aber die erste, die unzweifelhaft zu Fuß den Nordpol erreicht. 1978 Der Japaner Naomi Uemura schafft mit Luftunterstützung von Kanada aus die erste Solo-Hundenschlittenreise zum Nordpol. 1989 Arved Fuchs erreicht als Teilnehmer der internationalen „Ice Walk“-Expedition als erster Deutscher zu Fuß den Nordpol. Auch diese Expedition wird aus der Luft unterstützt. ![]() Schwimmbad Nordpol: Im Juli 2007 schwimmt der Brite Lewis Gordon Pugh knapp 19 Minuten lang im eiskalten Wasser 1990 Die Norweger Erling Kagge und Børge Ousland erreichen als Erste ohne Versorgung aus der Luft den Nordpol. Von dort lassen sie sich ausfliegen. 1993 Erste Last degree-Expedition zum Nordpol 1995 Der Russe Michail Malakow und der Kanadier Richard Weber marschieren erstmals ohne Luftunterstützung und ohne Hundeschlitten von Nordkanada aus zum Nordpol und zurück. 2007 Russische Tauchboote verankern auf dem Meeresboden unter dem Nordpol eine Titanflagge, um die territorialen Ansprüche Russlands auf die Region zu demonstrieren. |
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| 13.03.2009 |
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![]() Der Tag neigt sich, doch es warten Aufgaben Eigentlich will ich es mir gar nicht vorstellen: Wir sind mitten im Eis, der Nordpol ist nicht mehr fern. Gerade haben wir das Zelt aufgebaut. Ich bin heute dafür zuständig, den Benzinkocher anzuwerfen und Eis zu schmelzen. Ich drehe den Hahn auf. Zu schnell. Wusch, eine Stichflamme! Das Zelt fackelt ab. Wir müssen die Expedition abbrechen. Das wäre der Super-Gau. Thomas beruhigt uns: "Macht euch keine Sorgen! Das Zelt geht nicht gleich in Flammen auf. Wenn man schnell genug reagiert, bleibt es bei einem Loch, das man wieder flicken kann." Selbst einem Profi wie ihm ist das schon passiert. Tunnelbau ![]() Schlafen im Tunnel Nach unserem Aufstieg zur Hütte haben wir zunächst das Zelt aufgebaut. Es handelt sich um ein norwegisches Fabrikat, das wie ein länglicher Tunnel aussieht. Drei lange Karbonstangen geben dem Zelt die Form. Um es aufzurichten, stecken wir die Stangen zunächst zusammen und schieben sie dann quer über das Zelt durch die dafür vorgesehenen Laschen. Ein bisschen fummelig ist das. Wie wird das erst bei minus 30 Grad Celsius? "Je schneller das Zelt steht, desto besser", feuert uns Thomas an. Wir fixieren den Kunststoff-Tunnel im Schnee mit ein paar Haken und unseren Skiern. Während der Expedition sollen wir auch den Schlitten ans Zelt binden, damit er sich nicht über "Nacht" (die gibt es natürlich im arktischen Sommer nicht) aus dem Staub macht. Wie war das noch? ![]() Kocher-Kursus Nun demonstriert uns Thomas, wie der Kocher funktioniert. "Wir kochen im Vorzelt und liegen dabei im Schlafsack. Wenn du bei 20, 30 Grad minus draußen sitzt, erfrierst du halt, oder?" Wo er recht hat, hat er recht. Und so geht es: Pumpen, damit Druck auf die Leitung kommt, Hahn vorsichtig aufdrehen, bis ein wenig Benzin an der Brennstelle herausspritzt, "nicht zu viel, sonst wird die Stichflamme zu hoch", Hahn wieder zu, jetzt mit Streichholz oder Feuerzeug entzünden, "keine Angst, wenn die Flamme kurz hoch auflodert, das macht dem Zelt nichts", warten, bis es beginnt zu zischen, Hahn aufdrehen, Topf mit Eis drauf, fertig. Hört sich ganz einfach an. Frank probiert es und macht alles richtig. Thomas ist zufrieden. "Und morgen früh bist du dran, Stefan!" Stunde der Wahrheit ![]() Schweizer Diätkost Oje, ich fühle mich wie früher beim Vokabelabfragen in der Schule. Mut zur Lücke? Ich hoffe, ich habe alles richtig verstanden. Erst einmal verdränge ich den Auftrag. Denn heute Abend gibt es in Thomas´ Berghütte eine zünftige Schweizer Käsefondue, mit einem leckeren Gläschen Wein und Wodka zum Absacken. Mit der nötigen Bettschwere ziehen wir uns ins Zelt zurück. Der Schlafsack wärmt mehr als genug, die beiden Matten unter dem Rücken sind leidlich bequem. Ich falle in einen tiefen, erholsamen Schlaf. Der nächste Morgen, die Stunde der Wahrheit: Ich bleibe, wie vorgeschrieben, im Schlafsack, drehe mich zum Zelteingang. Wie war das gleich noch? Erst Hahn auf, dann pumpen? Nein, umgekehrt! Ich habe Schwierigkeiten, mit dem kleinen Feuerzeug an die Zündstelle des Kochers zu gelangen. Dann aber funktioniert alles so, wie es soll, und ich bin fast ein wenig stolz auf mich. Bis die Flamme für meinen Geschmack ein wenig zu hoch in den Zelthimmel sticht. Mein banger Blick geht nach oben. Kein Loch, Gott sei Dank! Das wäre aber auch zu peinlich gewesen. |
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| 12.03.2009 |
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Der Nordpol liegt ein Wochenende lang in der Schweiz – zumindest für uns. Expeditionsleiter Thomas Ulrich hat die Teilnehmer nach Interlaken eingeladen, zum gegenseitigen Beschnuppern und zum Schnupperkurs. Mit dem Auto fahren wir in die Berge. Wir verlassen die Straße, fahren mit Schwung einen schneebedeckten, an vielen Stellen vereisten Weg hinauf, bis zu einer Stelle, von der aus ein Pfad abzweigt. Hier lassen wir das Auto stehen. ![]() Über dem Berner Oberland Thomas zeigt uns, wie wir die Zuggurte anlegen sollen. Die Schlitten sind leicht bepackt, mit Zelt, Kocher, Schlafmatte, Schlafsack und dem, was man sonst noch für eine Übernachtung im Freien braucht. Wir schlüpfen in die Skibindung und los geht´s. Solange der Pfad kaum ansteigt, gehorcht mir der Schlitten und ich denke noch: Gar nicht so schwer, wie ich annahm. Doch hinter einer Hütte endet der Weg. Jetzt ziehen wir unsere Spur durch den Neuschnee bergauf. Der Schlitten kippt erstmals zur Seite. Ich richte ihn wieder auf. Fünf Meter weiter das gleiche Spiel. Nach der vierten Wiederholung beginne ich, leise vor mich hinzufluchen. "Ihr müsst eure Schlitten taufen", sagt Thomas und grinst, "dann ist es leichter, mit ihnen zu schimpfen." Dickes Fell gesucht ![]() Poldi in Schieflage Ich ziehe wieder los, nach dem immer gleichen Muster: Einige Meter geht es gut, dann rutscht der Schlitten in eine Erdmulde oder neigt sich einfach in den Hang, und schwupps, liegt er wieder auf der Seite. Die erste Idee, den Schlitten nach meiner Frau zu benennen, verwerfe ich schnell. Sie hätte wirklich nicht verdient, dass ich so viel Frust auf ihr ablade. Dann macht es klick: Mein Schlitten heißt ab sofort Poldi. Nach Lukas Podolski, dem noch-Münchner-bald-wieder Kölner Fußballer, dem Hoffnungsträger meines Leib- und Magenvereins. Bei den Bayern ist er auch häufig weggekippt. Poldi dürfte es also gewohnt sein, beschimpft zu werden und es mir nicht übel nehmen, wenn ich ihm ein paar böse Worte entgegenzische. Dafür nehme ich ihn schließlich auch mit zum Nordpol. Mein bester Freund? Poldi muss sich gleich nach der Taufe eine Menge Flüche anhören, denn der Schlitten macht einfach nur, was er und nicht was ich will. Ich zerre an der Ladung herum, versuche, den Schlitten anders auszubalancieren. Umsonst, Poldi will mir einfach nicht gehorchen. "Der Schlitten ist jetzt einfach zu leicht. Wenn er voll beladen ist, mit Benzin und so, dann liegt der Schwerpunkt tiefer", macht mir Thomas Mut - der mit seinen nächsten Worten gleich wieder sinkt: "Aber es ist auch am Nordpol schon so: Zwischendurch zurückgehen, wieder aufrichten ..." Der Schlitten, sagt Thomas, müsse einfach "dein bester Freund" werden. ![]() Geschafft! Klatschnass durchgeschwitzt erreiche ich Thomas´ Berghütte, vor der wir für die kommende Nacht unser Zelt aufschlagen werden. Poldi und ich sind noch keine Freunde geworden, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Warum muss ich gerade jetzt an die Worte des Schauspielers Keanu Reeves an Sandra Bullock im Hollywood-Thriller ´Speed´ denken? "Beziehungen, die unter extremen Bedingungen entstehen, haben keine Zukunft." |
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| 11.03.2009 |
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![]() Früher 1. FC Köln, heute 1. FC Nürnberg "Mensch, Flocke, du hast dich aber verändert", denke ich bei mir. Aus Heinz Flohe alias Flocke, dem Fußballidol meiner 1. FC Köln-umtosten Kindheit, ist eine Eisbärin geworden, die auf einem kleinen Ball herumkaut, ihn mit der Nase ins Wasser stupst und hinterher springt. Ich stehe hinter der Glasscheibe ihres Geheges im Nürnberger Tiergarten und schaue ihr zu. 15 Monate ist Flocke inzwischen alt, Deutschlands Tier-Superstar Nummer zwei nach dem Berliner Eisbär "Knut". Zumindest war sie das als Baby. 20 Prozent mehr Besucher verzeichnete der Nürnberger Zoo im vergangenen Jahr, nicht zuletzt dank Flocke. Feuerwehrschlauch für den Notfall An diesem kalten, regnerischen Morgen jedoch beobachtet außer mir nur Manuela Rütenberg die Eisbären. "Die strahlen so etwas Faszinierendes aus, der Körperbau, das Fell, der ganze Bär an sich. Und auch der Charakter ist so interessant." ![]() Komm, spiel mit mir! Die Nürnbergerin besucht zwei bis drei Mal pro Woche Flocke und Rasputin, den gleichaltrigen Spielgefährten aus Russland. Als die beiden Eisbären im Januar zusammengebracht wurden, rückte die Feuerwehr an. Sie hätten Rasputin mit einem Schlauch Wasser auf den Pelz gejagt, falls er auf Flocke losgegangen wäre. Doch die beiden waren von Beginn an ein Herz und eine Seele. "Die tun sich einfach gegenseitig gut", hat auch Eisbär-Fan Manuela Rütenberg beobachtet. Wenn ein Eisbär Eisbär spielen will Flocke und Rasputin sind zwar immer noch recht süß, aus dem ganz putzigen Alter aber heraus. Kurz nach der Geburt seien Eisbären unwiderstehlich, findet selbst der stellvertretende Zoodirektor, Dr. Helmut Mägdefrau. "Einfach süße Knöpfe. Das Kindchen-Schema trifft voll zu. Sie erinnern in den ersten Monaten durchaus an unsere eigenen kleinen Kinder. Da schmilzt man buchstäblich dahin." ![]() Flockes Ersatzmütter: Stefanie Krüger (li.) und Petra Fritz Tierpflegerin Petra Fritz war die erste, die Flocke die Flasche gab. Sie wohnte damals auf dem Zoogelände und war für die Nachtwachen zuständig. "Am Anfang ist Flocke alle zwei Stunden wach geworden und wollte trinken und kuscheln." Mit der Zärtlichkeit war es dann irgendwann vorbei. "Nach drei Monaten hat sie mal Eisbär spielen wollen und gezwickt. Ich habe sie am Genick gepackt, weggezogen und nein gesagt. Das hat sie ganz gut begriffen. Sie dürfte ihre Mutter schließlich auch nicht beißen." Bei so viel Nähe sei es ganz natürlich, dass auch Muttergefühle für das Eisbär-Baby aufkämen, sagt Kollegin Stefanie Krüger. "Irgendwie ist es doch wie ein eigenes Kind. Das entwickelt sich einfach. Dann ist man traurig, wenn es plötzlich heißt: Frau Krüger, sie gehen jetzt auch nicht mehr rein! Der Bär ist fast ein Jahr alt, das wird langsam zu gefährlich." Flocke wie Flohe – fast ![]() Starker linker Fuß Flocke ist eben kein Kuschel-, sondern ein Raubtier. Aus der sicheren Distanz, geschützt durch eine Glasscheibe, wirkt die Eisbärin noch nicht sehr gefährlich, eher verspielt. Sie tollt ausgelassen im Wasser herum, schwimmt, einen Jutesack im Maul, zu Rasputin und animiert ihn mitzuspielen. Als sie die beiden Pflegerinnen wittert, wird Flocke ganz aufgeregt, beginnt zu brummen und Männchen zu machen: Sie stellt sich auf die Hinterbeine, hebt leicht den linken Fuß und … wenn jetzt der Ball dort gelegen hätte! P.S. Hier gibt es noch mehr Bilder von Flocke. Ganz Ohr bleiben: Flocke, Fan und Pfleger |
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| 10.03.2009 |
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| Ich bin kein Hasenfuß, aber ein Rendezvous mit einem Eisbär in freier Wildbahn muss für meinen Geschmack nicht unbedingt sein. Da es aber bei unserer Expedition zum Nordpol zumindest im Bereich des Möglichen liegt, dass wir einem anderthalb Meter großen, drei Meter langen, 800 Kilogramm schweren Weißpelz begegnen, möchte ich doch gedanklich vorbereitet sein. Den Expertentipp hole ich mir in Nürnberg: "Sofort das Gewehr entsichern und so tun, als ob nichts wäre. Und dann hoffen, dass der Eisbär einen anderen Weg einschlägt." Dr. Helmut Mägdefrau weiß Bescheid. Er ist stellvertretender Zoodirektor in Nürnberg und damit gewissermaßen der Vermieter von Eisbär "Flocke". Sollte ich nicht doch lieber die Beine in die Hand nehmen? Bloß nicht, sagt der Zoologe. "Das ist wie bei einer Katze, mit der man im Wohnzimmer spielt. Davonlaufen reizt ihn noch mehr. Und der Eisbär ist schneller als wir." Der Eisbär braucht das Eis ![]() "Flocke" taucht ab 40 Stundenkilometer schnell kann ein Eisbär sprinten, vier Meter weit springen. Er ist ein gefährlicher Jäger, und dabei doch selbst gefährdet. "Wenn der Klimawandel so weitergeht, wird es innerhalb weniger Jahre dramatisch für die Eisbären", meint Dr. Mägdefrau. Klima-Modellrechnungen sagen voraus, dass das Polarmeer in einigen Jahrzehnten während der Sommermonate eisfrei sein wird. "Dem Eisbären ist es wurscht, ob er auf Eis läuft, auf einem Felsen oder einem vereisten Felsen. Es ist nur wichtig, dass er an seine Nahrung, die Robben, herankommt." Und genau da liegt das Problem. Bisher legt sich der Eisbär meist auf die Lauer und wartet, bis eine Robbe ihr ins Eis gegrabenes Atemloch aufsucht, um Luft zu holen. Auch wenn der wissenschaftliche Name des Eisbären "Ursus maritimus" ist, sprich der Bär aus dem Meer, hätte er im Wasser keine Chance, Robben oder auch größere Fische zu jagen. "Die schwimmen einfach um Klassen besser." Auch auf eisfreiem Land täten sich Eisbären sehr schwer. "Sie sind Lauerjäger", erklärt der Zoologe, "sie können nicht ausdauernd schnell laufen. Sie würden überhitzen." Kein Wunder bei einer bis zu zehn Zentimeter dicken isolierenden Speckschicht, fünf Zentimetern Unterwolle und bis zu 15 Zentimeter langem Bauchfell. Auslaufmodell Eisbär? Noch gilt der Eisbär nicht als hochbedrohte Tierart. Rund 25.000 Bären leben in der Arktis. So viele, dass die Inuit jährlich 600 Tiere erlegen dürfen. Doch die Bestände sind rückläufig. Geht das Eis weiter zurück, haben die Eisbären "bald nur noch an wenigen kleinen Ecken am Festland" Überlebenschancen. Dr. Mägdefrau hält die Prognose eines Kollegen aus den USA, dass die Zahl der Eisbären bis 2050 um zwei Drittel abnimmt, für durchaus realistisch. Die einzige Hoffnung bestünde darin, dass sich die Tiere dem Klimawandel anpassten, z.B. künftig statt Robben Rentiere fräßen. "Die Biologie ist zuweilen erfinderisch, die Anpassung der Tiere manchmal erstaunlich." Im Gegensatz zu früheren Veränderungen vollziehe sich der aktuelle Klimawandel jedoch rasant. "Da wird die Zeit, so fürchten alle, wohl nicht mehr reichen, dass sich die Eisbären anpassen können." Den Vorschlag von Wissenschaftlern, Eisbären in die Antarktis zu exportieren, hält Dr. Mägdefrau für "absoluten Quatsch. Da muss man ein gezielter Feind von Pinguinen sein, um auf so eine Idee zu kommen". Ähnliche Versuche mit anderen Tierarten seien alle gescheitert. "Das macht man einfach nicht, weil die Folgen nicht abschätzbar sind. In den meisten Fällen sind sie verheerend." Und noch ein Witz Der Eisbär bleibt also bedroht - auch wenn er uns bei einer Begegnung am Nordpol bedrohlich erscheinen sollte. Dr. Mägdefrau hat für diesen Fall auch noch einen Witz parat: Zwei Männer machen sich für eine Polardurchquerung bereit. Der eine packt Turnschuhe ein. "Warum nimmst du die mit?", fragt der andere. "Wenn ein Eisbär kommt, ziehe ich die Turnschuhe an", antwortet der Erste. Sein Partner schüttelt den Kopf. "Du bist doch nicht schneller als der Eisbär." "Nein, aber schneller als du!" Vielleicht sollte ich auch Turnschuhe einpacken. P.S. Allen, die "Flocke" auftauchen sehen wollen, sei gesagt: Geduld, Geduld, morgen ist auch noch ein Tag. |
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| 08.03.2009 |
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| Was lehrt uns die Wahrscheinlichkeitsrechnung? Dass die Realität auch ganz anders aussehen kann. "Ich würde sagen, die Wahrscheinlichkeit, dass wir den Nordpol erreichen, liegt bei 95 Prozent", sagt Expeditionsleiter Thomas Ulrich. Als er zuletzt eine Last degree-Expedition geleitet hatte, fehlten mickrige sieben Kilometer zum Ziel. "Wir hatten schlicht keine Zeit mehr und mussten deshalb abbrechen. Das war ein bitteres Erlebnis." Damit es sich nicht wiederholt, ist das Zeitfenster diesmal etwas weiter geöffnet. Offenes Wasser, dünnes oder bewegliches Eis Doch es gibt natürlich auch andere Gründe, die zu einem Scheitern oder zumindest für Einzelne zu einem vorzeitigen Ende aller Träume führen könnten. Im Falle einer Erkrankung oder Erfrierung müsste der Teilnehmer mit dem Helikopter ausgeflogen werden. Um im Notfall Hilfe holen zu können, hat Ulrich ein Satellitentelefon und ein internationales Notsignal-Gerät mit. "Die größten Gefahren", so Ulrich, "sind offenes Wasser und dünnes Eis, bei dem ich entscheiden muss, ob wir es überqueren können oder wir lieber einen Umweg wählen sollten." Bricht einer der Teilnehmer ins eiskalte Wasser ein, gilt es, ihn möglichst schnell wieder herauszuholen und hurtig das Zelt aufzubauen, damit er möglichst schnell aus den nassen Klamotten herauskommt und wieder trockene und warme Kleidung anziehen kann. Eine weitere Risikoquelle könnte Presseis sein, das gerade in dem Augenblick, in dem wir es überqueren, in Bewegung gerät. "Alles in allem sind die objektiven Gefahren aber viel niedriger als beim Bergsteigen." Rendezvous mit dem Eisbär ![]() Für alle Fälle gewappnet Und was ist mit ungebetenen Gästen im weißen Pelz? "Auch wenn sie selten so weit nördlich auftauchen, besteht natürlich grundsätzlich die Möglichkeit, Eisbären zu treffen." Wenn sie nicht gerade Heißhunger haben, sind sie eher neugierig als aggressiv. Oft reichen schon Lärm und ausladende Bewegungen, um einen Eisbären zu vertreiben. Wenn nicht, gibt es mehrere Eskalationsstufen. Pfefferspray, eine Signalpistole und, für den äußersten Notfall, ein 44er-Magnum-Revolver gehören zur Ausrüstung. Die erste Patrone ist mit Schrot gefüllt, erst die zweite transportiert eine Kugel. Thomas Ulrich hat bei seinen Expeditionen in der Arktis schon häufig Eisbären getroffen, zum äußersten Mittel musste er noch nie greifen. "Die Chance, am Nordpol wirklich einen Eisbär anzutreffen, würde ich auf 50 zu 50 einschätzen." Also auf genauso wahrscheinlich wie unwahrscheinlich. Mal sehen, was die Realität dazu sagt. Ganz Ohr bleiben: Thomas Ulrich über mögliche Gefahren |
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| 07.03.2009 |
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| Bergsteiger haben es einfacher. Wenn sie nicht mehr höher steigen können, wissen sie, dass sie auf dem Gipfel stehen. Beim Nordpol ist das nicht so einfach. "Ein Punkt ohne Ausdehnung, das eine Ende der Achse, um die sich die Erdkugel dreht, ohne Länge, Breite oder Stärke", schrieb 1875 ein englischer Journalist im "Blackwood´s Magazine" und klang dabei so, als könne er die ganze Aufregung um den Nordpol nicht nachvollziehen. Eigentlich gibt es sogar fünf Nordpole, je nach Definition (siehe unten). Der bekannteste davon ist neben dem geographischen, den unsere Expedition erreichen will, sicher der magnetische Pol. Der Nordpol, der eigentlich der Südpol ist ![]() Geophysiker Jokat Ich besuche Dr. Wilfried Jokat, Geophysiker am Alfred-Wegener-Institut für Polar-und Meeresforschung in Bremerhaven. Er bestätigt mir zunächst einmal, dass mich mein Gedächtnis nicht im Stich gelassen hat. Denn schließlich haben wir in der Schule gelernt: Der magnetische Pol im Norden ist aus physikalischer Sicht der Südpol, da die Magnetnadel des Kompasses, die immer nach Norden zeigt, dorthin weist. Anders gesagt, Gegensätze ziehen sich an. Um die Allgemeinheit nicht ganz zu verwirren, hat sich jedoch eingebürgert, den magnetischen Pol, der im Norden liegt, auch Nordpol zu nennen. Wandergeselle mit Antrieb von unten Die Erde ist von einem magnetischen Feld umgeben, das annäherungsweise dem eines Stabmagneten entspricht: die Spitze jeder Magnetnadel zeigt zum Ende des Stabes, sprich zum Pol. Der magnetische Nordpol leidet offenbar an Fernweh, er scheint es nicht lange an einem Ort auszuhalten. Derzeit wandert er im Jahr etwa 40 Kilometer, vom Norden Kanadas aus Richtung Sibirien. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass geographischer und magnetischer Pol eines Tages übereinander liegen", sagt Dr. Jokat. Doch warum bewegt er sich eigentlich? "Das magnetische Feld der Erde wird in großer Tiefe, etwa 2500 Meter unter der Erdoberfläche erzeugt", erklärt der Geophysiker. "Wir wissen, dass der innere Kern langsamer rotiert als der Rest der Erde." Daraus entstünden an der Grenze des Kerns elektrische Ströme, die dann das Magnetfeld erzeugten. Doch diese Ströme sind offenbar nicht konstant. Eine Folge: Der Pol wandert. Und der Nordpol wird wieder zum Südpol Eine weitere Konsequenz: Die Stärke und Ausrichtung des Erdmagnetfelds verändert sich. Seit Jahrzehnten registrieren Forscher, dass die magnetische Kraft schwächer wird. "Es gibt ernsthafte Anzeichen für eine bevorstehende Umpolung, doch es wird sicher noch ein paar tausend Jahre dauern", sagt Dr. Jokat. Doch selbst wenn es früher geschehen sollte, die Welt wird davon nicht untergehen. Im Schnitt wechseln die magnetischen Pole alle 250.000 Jahre. Auch ohne inneres Magnetfeld gebe es noch einen Schutz gegen gefährliche Strahlung aus dem All, erklärt der Experte. "Jedes Gestein auf der Erde hat ja auch ein Magnetfeld." Modellrechnungen zeigten, dass dieses konstante Feld ausreiche, um den Planeten vor sogenannten "Sonnenwinden", das sind Ströme elektrisch geladener Teilchen, zu schützen. Missweisung, wie das Wort schon sagt ![]() Wohin zeigt die Nadel? Noch aber wirkt der magnetischen Nordpol, von einer Position deutlich südlich des 89. Breitengrads, auf dem wir unsere Ski- und Schlittenexpedition beginnen. Ein normaler Kompass würde zwar nicht verrückt spielen, uns aber die Suche des geograpischen Pols auch nicht gerade leicht machen. Die "Missweisung", die Abweichung zwischen geographischer und magnetischer Nordrichtung, so Dr. Jokat, läge wahrscheinlich bei etwa 60 Grad, verglichen mit zehn Grad in unseren Breiten. Denn "der Kompass kennt den geographischen Nordpol nicht". Ein Glück, dass es GPS-Geräte gibt, die per Satellitennavigation den genauen Aufenthaltsort melden. Vorausgesetzt, es gibt keine Sonnenstürme. Denn die können Satelliten richtig Probleme bereiten. P.S. Pole sind Definitionssache: Geographischer Nordpol: nördlicher Schnittpunkt der Achse, um die sich die Erde dreht, mit der Erdoberfläche. Lage 90° Nord Magnetischer Nordpol (eigentlich Südpol): Punkt der nördlichen Hemisphäre, an dem die Feldlinien des Erdmagnetfelds senkrecht zur Erdoberfläche stehen, derzeitige Lage etwa 82° Nord, 115 °West. Geomagnetischer Nordpol: errechneter Pol, wenn man davon ausgeht, dass sich im Erdmittelpunkt ein Stabmagnet befindet. Lage ca. 80° Nord, 72° West Nordpol der Unzulänglichkeit: nördlichster Punkt, der in allen Richtungen am weitesten vom Festland entfernt ist. Lage 84° Nord, 174° West Himmelsnordpol: Punkt, an dem die gedachte Linie durch die Erdachse die Himmelskugel durchstößt. Der Sternenhimmel scheint sich – vom Betrachter aus gesehen - um diesen Pol zu drehen. Lage nahe dem Stern Polaris (Polarstern) Ganz Ohr bleiben: Dr. Jokat beantwortet Fragen zum magnetischen Pol |
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| 06.03.2009 |
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Obwohl ich in Köln auf 50 Metern Meereshöhe lebe, galt ich bisher in meinem Umfeld als "Bergfex". Wobei ich mich selbst eher als ambitionierten Wanderer, denn als Bergsteiger bezeichnen würde. Das Meer sah ich im Alter von16 Jahren zum ersten Mal. Bis dahin hatten alle Familien-Urlaube in die Alpen geführt. Vielleicht rührt daher meine besondere Beziehung zu den Bergen. Nach einem traumatischen Erlebnis in der Jugend hatte ich viele Jahre lang extreme Höhenangst. Als inzwischen 46-Jähriger habe ich sie so weit im Griff, dass ich Gipfel wieder auf zwei Beinen statt auf allen Vieren besteigen kann – am liebsten gemeinsam mit meiner Frau und unseren fünf Kindern.Als Sportjournalist bei der Deutschen Welle beschäftige ich mich seit mehreren Jahren mit dem Extrembergsteigen und anderen großen Abenteuern. Das „Jahr der Berge“ 2002 öffnete mir das Tor zum Himalaya. Ich machte eine Reportage-Trekkingreise nach Nepal zum Basislager des Mount Everest. Seitdem war ich vier weitere Male im Himalaya und Karakorum an den höchsten Bergen der Welt unterwegs. So berichtete ich 2005 aus dem Basislager in 5500 Metern Höhe über den Versuch der Bergsteiger Ralf Dujmovits, Gerlinde Kaltenbrunner und Hirotaka Takeuchi, den Mount Everest über die tibetische Nordwand zu besteigen. 2007 verschlug es mich wieder in ein Basislager, diesmal am Achttausender Manaslu in Nepal. Sechs Wochen lang begleitete ich eine von Ralf Dujmovits geleitete kommerzielle Expedition. Die Polarregion ist für mich Neuland. In gewisser Hinsicht schließt sich jedoch auch wieder ein kleiner Lebenskreis. Denn ich erinnere mich noch genau an eines meiner Lieblingsbücher der Kindheit: "Das Rätsel der Nordwestpassage". James Cook, John Franklin, Roald Amundsen - ich bewunderte die großen Polarpioniere für ihren Wagemut und ihren Durchhaltewillen. Ein bisschen davon kann auch mir jetzt nicht schaden. Ganz Ohr bleiben: Stefan Nestler in der DW-Radiosendung Journal D, 2.3.2009 |
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| 06.03.2009 |
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![]() geboren am: 29. März 1949 Familienstand: verheiratet, 2 Kinder lebt in: Vancouver in Kanada hat gearbeitet als: Architekt, widmet sich jetzt seinen Abenteuern bisherige Abenteuer: Besteigung der "Seven Summits", der höchsten Berge aller Kontinente, (u.a. 2002 Mount Everest), Grönlanddurchquerung auf Skiern Und der Nordpol? „Ich will beide Pole zu Fuß erreichen. Die Last degree-Expedition ist eine Art Training für diese großen Projekte." Ganz Ohr bleiben: Arnold Witzig |
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| 05.03.2009 |
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![]() geboren am: 9. Juni 1982 Familienstand: ledig lebt in: Zug in der Schweiz arbeitet als: Polymechaniker bisherige Abenteuer: Besteigung des Kilimandscharo, Segelregatta, Reise in die Wüste Ägyptens Und der Nordpol? „Ich suche das Abenteuer an sich, die extremen Verhältnisse. Mich fasziniert der Gedanke, oben auf unserem Globus zu stehen." Ganz Ohr bleiben: Eugen Thoma |
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| 05.03.2009 |
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![]() geboren am: 19. April 1974 Familienstand: ledig lebt in: Zittau in Sachsen arbeitet als: Bauingenieur bisherige Abenteuer: mehrwöchige Rucksackreisen durch China und Japan Und der Nordpol? „Mich reizt das Abenteuer, das Außergewöhnliche, das Extreme, das nicht jeder macht." Ganz Ohr bleiben: Frank Heidrich |
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| 04.03.2009 |
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Thomas Ulrich ist Profiabenteurer, der Gefahren bewusst in Kauf nimmt - wenn sie kalkulierbar sind. "Risiken lauern überall, aber wenn man sich wirklich gut darauf vorbereitet, sind sie nicht größer als hier zu Hause, wenn ich eine Straße überquere." Der Schweizer lebt in Interlaken im Berner Oberland, ist verheiratet und Vater dreier Töchter. Die Verantwortung der Familie gegenüber hat ihren Teil dazu beigetragen, dass er sein Spielfeld in den letzten Jahren von den Bergen zunehmend ins Eis verlegt hat. 2001 nahm Ulrich zum wiederholten Male an einer Expedition zum legendären Eis- und Granitberg Cerro Torre in Patagonien in Südamerika teil. Nur mit viel Glück überlebte er einen Eisabbruch - für ihn das Signal, sich anderen Abenteuern mit kalkulierbareren Risiken zuzuwenden. Abenteurer, Fotograf, Kameramann Bis dahin hatte der gelernte Zimmermann und Bergführer als Extrembergsteiger für Schlagzeilen gesorgt. Seinen spektakulärsten Erfolg feierte er 1999, als ihm mit drei Freunden am Cerro Torre die erste Winterbegehung der Westwand gelang. Damals konnte Ulrich auch erstmals als Fotograf eine Reportage im renommierten US-Magazin "National Geographic" veröffentlichen. Heute gilt der 41-Jährige als einer der weltweit führenden Fotografen und Kameramänner im Bereich Abenteuer und Outdoor. Für seine Reportagen und Filme sammelte er zahlreiche Preise. Spuren im Eis ![]() Hier geht´s zum Pol Als Abenteurer hat Thomas Ulrich auch im Eis Ausrufezeichen gesetzt. Mit dem norwegischen Polar-Experten Børge Ousland gelang ihm 2003 die erste Durchquerung des Südlichen Patagonischen Inlandseises, ohne Depots und Hilfe von außen. Sechs Mal stand Ulrich schon am Nordpol. 2007 etwa machte er sich von dort aus, wieder mit Ousland, auf die Spuren Fritjof Nansens. Der berühmte norwegische Polarforscher und sein Begleiter Hjalmar Johansen hatten 1895 vergeblich versucht, als Erste den Nordpol zu erreichen, und sich anschließend 15 Monate lang zu Fuß, mit Schlitten und Kajaks durch die Arktis geschlagen. Ulrich und Ousland folgten in 100 Tagen der Route der Polarpioniere. "1000 Kilometer auf dem arktischen Eis, dann vierhundert weitere durch Franz-Josef Land hindurch, und von dort mit dem Segelboot nach Norwegen, ein großartiges Erlebnis." Abenteuer sind seine Welt Weniger erfolgreich verlief 2006 der Versuch Ulrichs, im Alleingang von Sibirien aus die Arktis zu durchqueren. Nach wenigen Tagen geriet er in einen Sturm, der ihn fast das Leben gekostet hätte. In letzter Minute wurde der Schweizer von einem russischen Hubschrauber aus seiner ausweglosen Lage gerettet. Thomas Ulrich räumt ein, dass sich er sich anschließend auch die Sinnfrage gestellt habe. Mit dem Ergebnis, dass er auch weiterhin zu Abenteuern aufbrechen will: "Das ist einfach meine Welt." Ganz Ohr bleiben: Expeditionsleiter Thomas Ulrich |
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| 03.03.2009 |
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| Immer schön sauber bei der Wahrheit bleiben. Ja, wir machen uns auf den Weg zum Nordpol. Nein, wir haben im Erfolgsfall den nördlichsten Punkt nicht zu Fuß erreicht. Dafür müssten wir nämlich, so merkt der Schweizer Expeditionsleiter Thomas Ulrich mit Recht an, "irgendwo an Land starten und am Nordpol ankommen. Alles andere wäre wie am Mount Everest die Hälfte mit dem Hubschrauber hochfliegen und den Rest noch zu Fuß gehen". Kein Sonntagsspaziergang ![]() In der Eiswüste Wir aber werden nicht von Ellesmere Island in Kanada, von Grönland oder Sibirien aus starten, sondern exakt vom 89. Breitengrad aus. "Last degree"-Expeditionen nennt man solche Unternehmungen, die es auch ambitionierten Hobbyabenteurern mit kleinem Zeitbudget ermöglichen, den Nordpol zu erreichen und trotzdem eine anspruchsvolle sportliche Leistung erbracht zu haben. Wir lassen uns schließlich nicht, wie der Scheich aus Dubai, mit dem Helikopter direkt am Pol absetzen, um dort ein Glas Champagner zu schlürfen. "Es ist kein Sonntagsspaziergang", stellt Thomas Ulrich klar. Wir werden voraussichtlich anderthalb Wochen lang jeden Tag rund neun Stunden lang übers Eis marschieren und dabei unsere Materialschlitten mit einem Gewicht von bis zu 40 Kilogramm hinter uns herziehen, und das bei Temperaturen bis minus 35 Grad Celsius. Borneo auf Eis ![]() Das Expeditionsteam trifft sich am 2. April auf der von Norwegen verwalteten Insel Spitzbergen. Von dort aus fliegen wir mit einer Antonow 74, einem russischen Flugzeug, das für kurze Landebahnen geeignet ist, nach Borneo weiter. Was nach Sonne und Meer klingt, ist in Wahrheit ein vergängliches "Paradies" auf dem Eis. Alljährlich im April entsteht auf einer großen, stabilen Eisscholle am 89. Breitengrad eine russische Nordpol-Basis mit eigener Landepiste. Ende des Monats, wenn das Eis zu schmelzen beginnt, verschwindet auch Borneo wieder. Die Station wird geräumt. Wasser- und Eisbarrieren Hinter Borneo ist es aus mit der Bequemlichkeit. Wir schnallen die Skier und die Zuggurte für die Schlitten an und los geht’s. Bis zum Pol fehlen noch 120 Kilometer - etwa, denn wir bewegen uns auf Eis, das auf dem 4000 Meter tiefen Polarmeer treibt. Je nach Drift kann es also durchaus passieren, dass wir den einen oder anderen Kilometer, den wir zuvor marschiert sind, während des Schlafs wieder zurücktreiben. Wir können auf offene Rinnen stoßen, die umgangen, oder auf Presseis-Rücken, die überstiegen werden müssen. Gerade das mache den Reiz aus, sagt Expeditionsleiter Ulrich. "Im Gegensatz zur Antarktis, wo man fast immer das Gleiche sieht, verändert sich die Arktis täglich." Gefühlt höher als auf dem Everest ![]() Zelten am Nordpol Doch irgendwann erreichen wir hoffentlich den nördlichsten Punkt. Das GPS-Gerät zeigt 90 Grad Nord. "Das ist ein mystisches Gefühl", so Ulrich, "weil man weiß, dass sich dort alle Längengrade berühren und man in wenigen Schritten 24 Stunden abmarschieren kann." Zeitzonen-Hopping also. Und außerdem steht ja man oben auf der Erde, gewissermaßen. "Man hat fast das Gefühl, dass man höher ist als auf dem Mount Everest." Am Nordpol wollen wir mindestens einmal übernachten, ehe uns ein russischer Hubschrauber abholt und zurück nach Borneo bringt. Von dort geht es wieder per Flugzeug nach Spitzbergen. |
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| 02.03.2009 |
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| "Planst du schon deine nächste Reise?" – "Ja, zum Nordpol." - "Ach so, zum Nordpol!?" Die Miene meines Gegenüber verrät mir den unausgesprochenen Satz: "Aber sonst geht es dir noch gut?" Wenn ich dann noch erzähle, dass wir die letzten etwa 120 Kilometer zum Pol mit Skiern, unseren Schlitten hinter uns her ziehend, zurücklegen, höre ich meist: "Das klingt aber spannend." Was übersetzt so viel heißt wie: "Jetzt bist du wohl völlig übergeschnappt." Nicht mehr als ein kleiner Rettungsring ![]() Harte Männer ... Das dachten wohl auch einige Spaziergänger am Rhein, die mich mitten im Winter beim Joggen im Schnee beobachteten. Dabei ist doch klar: Schwitzen gehört dazu. "Abenteuer ist eine von der richtigen Seite betrachtete Strapaze", schrieb einst der britische Journalist und Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton. Ironischerweise trug der Schöpfer der "Pater Brown"-Kriminalgeschichten 134 Kilogramm durch die Gegend. Seine Wampe war legendär. Mehr als einen kleinen "Rettungsring" um die Taille, der mir mit Mitte 40 zusteht, will ich nicht zum Nordpol schleppen. Gedanken eines sporadisch Verrückten? Nach mehreren Reisen zu den höchsten Bergen der Welt im Himalaya und Karakorum zieht es mich jetzt also ins Eis. Heute in genau einem Monat werde ich nach Spitzbergen aufbrechen, wo sich unser Expeditionsteam trifft. Bis dahin will ich an dieser Stelle nicht nur über die Vorbereitungen auf das Abenteuer berichten, sondern auch über interessante Themen rund um den Nordpol und die Arktis, eine der faszinierendsten, aber auch meist bedrohten Naturlandschaften der Erde. Wie lange werden "Aber sonst geht es dir noch gut?"-Menschen wie ich überhaupt noch dort über eine geschlossene Eisdecke marschieren können? Es werden in den nächsten Wochen an dieser Stelle auch echte Arktisexperten zu Wort kommen. Damit es am Ende nicht heißt: das waren doch nur die Gedanken eines sporadisch oder vielleicht sogar chronisch Verrückten. Wie einst Symmes ![]() ...tun nur so, als ob. Apropos: Anfang des 19. Jahrhunderts füllte ein US-Amerikaner namens John Cleve Symmes die Vortragssäle. Symmes behauptete, der Nordpol sei, genau wie der Südpol, ein Loch, durch das man ins Erdinnere gelangen könne. Man brauche nur mit einem Schiff zum Pol zu fahren und sich von der Strömung in die hohle Erde hineinziehen zu lassen. Es wurde auch tatsächlich eine Expedition auf die Beine gestellt, um die Theorie zu überprüfen. Sie scheiterte jedoch, weil die Besatzung meuterte. Sollte es immer noch jemanden geben, der sich nach meinen Beweggründen für diese Reise fragt, hier die Theorie, die ich nach bestem Wissen und Gewissen nachzuprüfen verspreche (vorausgesetzt die Mannschaft meutert nicht): Am Nordpol gibt es ein geomagnetisches "Schwarzes Loch", das auf die Hirnströme einwirkt und alle Wünsche verschluckt. Daher die Redensart: "Ich bin Wunschloch-glücklich!" Aber sonst geht es mir noch gut. |
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Es musste also eine 










Vielleicht sollte ich Heidi einen heißen Tipp für eine weitere coole Aufgabe geben. Wie wäre es, die Mädels am heißen Strand von Sydney in die Klamotten eines Nordpol-Wanderers zu stecken, einen 















1908 Der US-Amerikaner Frederick Albert Cook behauptet, am 21. April als erster Mensch den Nordpol erreicht zu haben. Viele glauben ihm schon damals nicht.












Noch gilt der Eisbär nicht als hochbedrohte Tierart. Rund 25.000 Bären leben in der Arktis. So viele, dass die Inuit jährlich 600 Tiere erlegen dürfen. Doch die Bestände sind rückläufig. Geht das Eis weiter zurück, haben die Eisbären "bald nur noch an wenigen kleinen Ecken am Festland" Überlebenschancen. Dr. Mägdefrau hält die Prognose eines Kollegen aus den USA, dass die Zahl der Eisbären bis 2050 um zwei Drittel abnimmt, für durchaus realistisch. Die einzige Hoffnung bestünde darin, dass sich die Tiere dem Klimawandel anpassten, z.B. künftig statt Robben Rentiere fräßen. "Die Biologie ist zuweilen erfinderisch, die Anpassung der Tiere manchmal erstaunlich." Im Gegensatz zu früheren Veränderungen vollziehe sich der aktuelle Klimawandel jedoch rasant. "Da wird die Zeit, so fürchten alle, wohl nicht mehr reichen, dass sich die Eisbären anpassen können." 


Obwohl ich in Köln auf 50 Metern Meereshöhe lebe, galt ich bisher in meinem Umfeld als "Bergfex". Wobei ich mich selbst eher als ambitionierten Wanderer, denn als Bergsteiger bezeichnen würde. Das Meer sah ich im Alter von16 Jahren zum ersten Mal. Bis dahin hatten alle Familien-Urlaube in die Alpen geführt. Vielleicht rührt daher meine besondere Beziehung zu den Bergen. Nach einem traumatischen Erlebnis in der Jugend hatte ich viele Jahre lang extreme Höhenangst. Als inzwischen 46-Jähriger habe ich sie so weit im Griff, dass ich Gipfel wieder auf zwei Beinen statt auf allen Vieren besteigen kann – am liebsten gemeinsam mit meiner Frau und unseren fünf Kindern.


Thomas 





